Ein Milliarden-Investment aus dem Jahr 2022, jetzt offenbar zur Disposition: Shells hochmoderner Chemiekomplex in Monaca, Pennsylvania, hat mehrere Schwergewichte der Branche auf den Plan gerufen. ExxonMobil, LyondellBasell und der Finanzinvestor Apollo Global Management sollen unverbindliche Angebote für die US-Chemiesparte eingereicht haben – auch die staatliche Kuwait Petroleum Corporation zeigt Interesse.
Die Anlagen verteilen sich auf vier Standorte in Louisiana, Texas und Pennsylvania. Zusammen oder in Einzelteilen könnten sie Shell bis zu acht Milliarden Dollar einbringen. Der Betrag wirkt bescheiden, wenn man bedenkt, dass allein der Komplex in Monaca beim Bau rund 14 Milliarden Dollar gekostet hatte.
Konzernumbau mit Ansage
Der mögliche Verkauf passt zu einer Linie, die Shell-Chef Wael Sawan bereits vorgezeichnet hat. Er hatte signalisiert, dass der Konzern bei Teilen seines Chemieportfolios möglicherweise nicht mehr der richtige Eigentümer sei. Bis 2030 will Shell das in dieser Sparte gebundene Kapital deutlich reduzieren – Verkäufe, Partnerschaften und andere strategische Optionen stehen dafür zur Prüfung.
Der Hintergrund ist unbequem: Shells Chemiegeschäft schrieb 2025 einen bereinigten Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar. Die Branche kämpft insgesamt mit schwacher Profitabilität, auch wenn sich die Lage bei Shell zuletzt etwas gebessert hat.
Offenbar prüft der Konzern parallel auch Optionen für seine europäischen Chemieanlagen – ein möglicher Hinweis darauf, dass sich Shell breiter aus der klassischen Petrochemie zurückzieht, als der US-Deal allein vermuten lässt.
Offiziell hüllen sich alle Beteiligten in Schweigen. Shell, Exxon und Apollo lehnten Stellungnahmen ab, Lyondell und die Kuwait Petroleum Corporation reagierten nicht auf Anfragen. Die Aktie zeigte sich von den Berichten bislang unbeeindruckt und bewegte sich am Montag nur leicht im Minus.
Ein Zuschlag würde Shells Rückzug aus der Petrochemie beschleunigen und Kapital für das Kerngeschäft freisetzen. Ob es zu einem Verkauf des gesamten Pakets oder zu Einzeltransaktionen kommt, dürfte sich erst zeigen, wenn aus den unverbindlichen Angeboten konkrete Gebote werden.
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