Shell hat seine Gas-to-Liquids-Anlage Pearl im katarischen Ras Laffan wieder teilweise in Betrieb genommen. Wie ein Unternehmenssprecher mitteilte, dient der Schritt dazu, die Produktionsanlagen zu testen und begrenzte Produktbestände aufzubauen. Der britische Energiekonzern hält 100 Prozent an dem Standort, der bei voller Auslastung über eine Kapazität von 140.000 Barrel Öläquivalent pro Tag verfügt.
Testbetrieb nach mehrmonatiger Unterbrechung
Die Großanlage war im März durch Angriffe beschädigt worden und stand seither weitgehend still. Der Komplex umfasst zwei Verarbeitungseinheiten. Während nun erste Teilbereiche wieder hochgefahren werden, laufen die Reparaturarbeiten an der zweiten Einheit weiter. Shell rechnet damit, dass diese Arbeiten im ersten Quartal 2027 abgeschlossen sein werden.
Marktbeobachter registrierten umgehend erste Lieferaktivitäten. QatarEnergy bot Händlern zufolge bis zu 50.000 Tonnen Naphtha aus Ras Laffan an, darunter auch Material aus der Pearl-Anlage. Das indische Unternehmen Haldia Petrochemicals sicherte sich zudem eine vertraglich vereinbarte Quartalslieferung in gleichem Umfang.
Logistische Hürden an der Meerenge
Trotz der technischen Wiederaufnahme bleibt die Auslieferung der Endprodukte an erhebliche Risiken gekoppelt. Der Weitertransport auf dem Seeweg hängt vollständig von der Sicherheitslage in der Region und einer verlässlichen Durchfahrt durch die Straße von Hormus ab.
Nach Angaben des Analysedienstes Kpler wurden in der vergangenen Woche zehn Tanker in der Meerenge attackiert. Zwar haben sich alternative Exportrouten über den Golf von Oman und das Rote Meer etabliert, doch die Frachtkosten für den Seetransport bleiben auf extrem hohem Niveau.
Shell-Chef Wael Sawan betonte vor diesem Hintergrund, dass die Ölströme im Nahen Osten zwar rund 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht hätten, die Versorgungslage aber weiterhin angespannt bleibe.
Analysten heben Gewinnerwartungen an
An den Finanzmärkten sorgten die operativen Signale für Zuversicht. Gestern legte die Shell-Aktie um 3,2 Prozent auf 44,66 Euro zu. Damit trennen den Titel lediglich 0,3 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch.
Auch auf Analystenseite überwiegt eine konstruktive Haltung zur Ertragslage. Analyst Joshua Stone von der UBS beließ die Einstufung auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 3.750 Pence, hob nach den jüngsten Produktionssignalen jedoch seine Gewinnschätzungen für das Quartal an.
Die Experten von RBC führen die Aktie unverändert mit „Sector Perform“ und einem Kursziel von 4.000 Pence. Sie passten ihre Prognose für den bereinigten operativen Cashflow vor Zinsen und Working-Capital-Effekten leicht auf 19,5 Milliarden US-Dollar nach oben an, gestützt durch kräftige Raffineriemargen im Downstream-Geschäft.
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