Die Analysten von Morgan Stanley blicken deutlich optimistischer auf den Energiekonzern Shell und haben die Einstufung für die Papiere gestern von „Equal Weight“ auf „Overweight“ angehoben.
Parallel zu dieser Hochstufung schraubten die Experten das Kursziel massiv nach oben: Statt der bisherigen 81,60 US-Dollar werden nun 101,30 US-Dollar für die in den USA gehandelten Anteilsscheine veranschlagt. Diese positive Einschätzung stützt den Kurs, während das Unternehmen gleichzeitig strategische Weichenstellungen durch mögliche Verkäufe von Randaktivitäten vorantreibt.
Strategische Portfolio-Bereinigung in Malaysia und den USA
Hintergrund der positiven Analystenstimmen ist unter anderem die konsequente Fokussierung des Managements auf renditestarke Kernbereiche wie Flüssigerdgas (LNG). In diesem Zusammenhang prüft der Konzern derzeit den Verkauf seines Mehrheitsanteils an Shell MDS in Malaysia.
Medienberichten zufolge hält Shell 72 % an diesem Projekt, wobei ein möglicher Ausstieg rund eine Milliarde US-Dollar in die Kassen spülen könnte. Die freiwerdenden Mittel sollen dazu dienen, Investitionen in den LNG-Sektor sowie in bestehende Projekte wie ARC Resources zu finanzieren.
Flankiert werden diese Pläne von Spekulationen über eine weitere Konsolidierung des Portfolios in Nordamerika. Marktbeobachter bringen das Chemieunternehmen LyondellBasell als potenziellen Käufer für das US-Chemiegeschäft von Shell ins Gespräch.
Solche Veräußerungen passen zur Strategie, die Bilanz durch den Verkauf weniger profitabler Sparten zu stärken und das Kapital dort einzusetzen, wo höhere Margen erzielt werden können. Die Analysten von Zacks Research verwiesen bereits darauf, dass Shell in einem Marktumfeld mit hohen Rohstoffpreisen insbesondere durch den effizienten LNG-Handel profitiert.
Hoffnung auf Genehmigung für Gasprojekt Jackdaw
Ein weiterer wichtiger Impuls für die kommenden Wochen könnte aus der britischen Politik kommen. Die Energieministerin Miatta Fahnbulleh steht möglicherweise kurz davor, noch bis Ende September grünes Licht für das Jackdaw-Gasfeld in der Nordsee zu geben. Das Projekt war nach einer ursprünglichen Genehmigung durch die Vorgängerregierung gerichtlich gestoppt worden, gilt nun jedoch wieder als wichtiger Baustein für die nationale Energieversorgung.
Sollte die Genehmigung erteilt werden, könnte das Jackdaw-Feld Berechnungen zufolge rund 6 % der britischen Gasproduktion abdecken. Für den Konzern und den Standort bedeutet dies nicht nur eine langfristige Sicherung der Fördermengen, sondern auch die Schaffung von etwa 3.500 Arbeitsplätzen. Schätzungen gehen davon aus, dass das Projekt insgesamt rund 28 Milliarden Britische Pfund zur wirtschaftlichen Wertschöpfung beitragen könnte.
Kurs nähert sich Jahreshöchstständen
An der Börse spiegeln sich diese Entwicklungen in einer stabilen Aufwärtsbewegung wider. Am Freitag schloss das Papier bei 40,00 Euro. Damit setzt sich der positive Trend fort, der den Wert seit Jahresbeginn bereits um 28 % nach oben getrieben hat. Trotz der allgemeinen Volatilität im Energiesektor zeigt sich die Aktie widerstandsfähig.
Die aktuelle Notierung liegt nur noch rund 3,2 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 41,32 Euro, das Ende März erreicht wurde. Während andere Branchenvertreter zuletzt unter Druck gerieten, honorieren Anleger bei Shell offensichtlich die Kombination aus operativer Stärke im Gasgeschäft und der Aussicht auf weitere Portfolio-Optimierungen.
Die Entscheidung der britischen Regierung zum Jackdaw-Feld dürfte in den nächsten Wochen der nächste entscheidende Termin für die weitere Kursentwicklung sein.
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