Shell verdient am angespannten Ölmarkt, spürt aber zugleich die Folgen der Eskalation am Golf. Führungskräfte des Konzerns haben ihre Teilnahme am WPC-Energiekongress in Riad abgesagt, der am Montag eröffnet wurde. Auch Vertreter von BP bleiben dem Treffen fern.
Sicherheitslage in Saudi-Arabien
Hintergrund sind die anhaltenden Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf das Königreich. Am Samstag starben bei einem Raketenangriff am Flughafen Riad mindestens 13 Menschen, 300 weitere wurden verletzt. Es war der tödlichste Angriff in Saudi-Arabien seit rund zehn Jahren. Binnen einer Woche kamen dort insgesamt 18 Menschen ums Leben.
Mehrere Airlines haben ihre Flüge in die Hauptstadt ausgesetzt. Beschäftigte im Geschäftsbezirk KAFD, wo auch der Staatsfonds und die Börse sitzen, arbeiten vorerst im Homeoffice. Heute meldeten die Huthi erneut Raketenangriffe auf den Flughafen King Chalid, Saudi-Arabien sprach von abgefangenen Geschossen.
Für Shell ist die Absage ein Signal der Vorsicht. Der Konzern bleibt dem Kongress fern, Schäden am eigenen Geschäft sind nicht bekannt.
Raffineriemargen als Kurstreiber
Operativ sieht es für den Konzern gut aus. Der Konflikt im Nahen Osten stört Lieferketten und Handelswege, die Versorgung mit Ölprodukten wird knapper. Raffineriebetreiber profitieren von außergewöhnlich hohen Margen, und Shell zählt zu den auffälligsten Gewinnern dieser Entwicklung.
Das jüngste Trading-Update deutet auf ein starkes drittes Quartal hin. Die Eskalation treibt zudem den Ölpreis: Brent notierte zuletzt über 107 US-Dollar. Ein Diesel-Deal zwischen den USA und Russland drückte die Preise zuletzt allerdings wieder etwas.
Shell steht damit zwischen zwei Polen. Die Krise stützt die Erträge im Raffineriegeschäft, belastet aber die Planbarkeit des Geschäfts in der Region. Die vollständigen Zahlen zum dritten Quartal dürften zeigen, wie stark die Margen tatsächlich durchschlagen.
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