Der Energieriese Shell setzt seinen Kurs der massiven Kapitalrückgabe an die Aktionäre konsequent fort. Nach einem gewinnstarken zweiten Quartal treibt der Konzern sein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm voran und berebereinigt zugleich sein Portfolio im Bereich der erneuerbaren Energien. Am heutigen Montag notiert die Aktie bei 38,84 Euro und verzeichnet damit ein Minus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Handelsschluss am Freitag.
Milliarden-Rückkäufe im vollen Gange
Shell nutzt seine hohe Liquidität, um in großem Stil eigene Anteile vom Markt zu nehmen. Erst am vergangenen Donnerstag erwarb das Unternehmen im Rahmen seines laufenden Programms mehr als 1,6 Millionen eigene Aktien über verschiedene Handelsplätze. Diese Transaktionen sind Teil eines umfassenden Rückkaufpakets, das Ende Juli angekündigt wurde. Es umfasst ein Volumen von insgesamt 4,232 Milliarden US-Dollar.
Dieser Betrag setzt sich aus einer neuen Tranche von 3,0 Milliarden US-Dollar sowie einer Summe von rund 1,2 Milliarden US-Dollar zusammen. Letztere war ursprünglich während der Verhandlungen zur Übernahme von ARC Resources Ltd. vorübergehend ausgesetzt worden. Die Durchführung des aktuellen Programms wird von Goldman Sachs International gesteuert und soll noch vor der Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal abgeschlossen sein.
Starke Cashflows stützen die Bilanz
Die finanzielle Basis für diese Ausschüttungen legte Shell mit den Ergebnissen des zweiten Quartals. Der den Aktionären zuzurechnende Gewinn belief sich auf 10,8 Milliarden US-Dollar, während das bereinigte Ergebnis bei 9,8 Milliarden US-Dollar lag. Besonders beeindruckend zeigte sich die Generierung von Barmitteln: Der freie Cashflow erreichte im selben Zeitraum 17,5 Milliarden US-Dollar.
Diese Zuflüsse ermöglichten es dem Konzern, die Nettoverschuldung deutlich zu reduzieren. Diese sank von 52,6 Milliarden US-Dollar im Vorquartal auf zuletzt 41,8 Milliarden US-Dollar.
Parallel dazu schüttete Shell im zweiten Quartal bereits 5,2 Milliarden US-Dollar an seine Anteilseigner aus, aufgeteilt in Rückkäufe und Bardividenden. Am vergangenen Donnerstag handelten die Aktien zudem erstmals ex-Dividende für die jüngste Ausschüttung von 0,3906 US-Dollar je Aktie.
Portfolio-Umbau und strategische Neuausrichtung
Neben der Kapitaldisziplin treibt Shell die strategische Fokussierung voran. Medienberichten zufolge hat der Konzern eine Vereinbarung mit TotalEnergies unterzeichnet, um das gesamte Onshore-Geschäft mit erneuerbaren Energien in Europa zu veräußern. Der Verkauf umfasst Solar- und Windkraftanlagen mit einer Leistung von 500 Megawatt, die sich bereits in Betrieb oder im Bau befinden.
Zusätzlich geht eine Projektpipeline von 3,5 Gigawatt für Solar-, Wind- und Batteriespeicherprojekte in Italien, Großbritannien und Spanien an den französischen Konkurrenten über. Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.
Trotz dieser Verkäufe plant Shell für das laufende Jahr weiterhin mit Investitionsausgaben zwischen 24 und 26 Milliarden US-Dollar. Anleger honorierten die Strategie bisher: Seit Jahresbeginn konnte der Wert der Aktie um 24 Prozent zulegen.
An der Führungsspitze gab es zum Monatsanfang ebenfalls einen Wechsel. Holly Keller Koeppel übernahm den Vorsitz des Prüfungs- und Risikoausschusses von Ann Godbehere, die das Gremium nach mehr als acht Jahren verließ. Diese personelle Kontinuität im Aufsichtsorgan begleitet die Bemühungen des Managements, die strukturellen Kosten weiter zu senken, die seit 2022 bereits um 5,8 Milliarden US-Dollar reduziert wurden.
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