Strom, für den man Geld bekommt — klingt absurd, wird aber zur Routine. Am 1. Mai 2026 fiel der Day-Ahead-Preis an der Epex Spot auf minus 499 Euro je Megawattstunde. Das war kein Ausreißer. Es war ein Signal.
Bis Ende April zählte Deutschland bereits rund 200 Stunden mit negativen Strompreisen — etwa 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. An Feiertagen mit viel Sonne und schwacher Nachfrage wiederholt sich das Muster. Für Energieerzeuger wie Rwe bedeutet das: Kapazität läuft, aber Erlöse schrumpfen.
Solides Quartal trotz Gegenwind
Im ersten Quartal 2026 erzielte RWE ein bereinigtes EBITDA von 1,6 Milliarden Euro — ein deutliches Plus gegenüber den 1,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Bessere Windbedingungen in Europa und neue Erzeugungskapazitäten trieben das Ergebnis. Dämpfend wirkten niedrigere Strompreise und Wechselkurseffekte beim US-Dollar.
Seit Ende März 2025 hat RWE Windparks, Solarparks und Batteriespeicher mit insgesamt 2,3 Gigawatt in Betrieb genommen. Das Wachstum ist real. Die Frage ist, ob die Marktpreise mithalten.
Belastet hat den Konzern der Energiehandel. Das Segment verbuchte ein bereinigtes EBITDA von minus 80 Millionen Euro, nach plus 20 Millionen Euro im Vorjahr. RWE nennt eine schwache Performance im Eigenhandel als Hauptgrund.
Batteriespeicher als Schutzwall
RWE setzt auf Speicherkapazitäten, um dem Preisdruck zu begegnen. In Alfeld plant Kyon Energy einen Speicher mit 137,5 Megawatt. In Gundremmingen will RWE sogar 400 Megawatt installieren. Gespeicherter Strom lässt sich zu besseren Preisen vermarkten — das ist die Logik dahinter.
Zusätzlichen Schutz bieten Differenzkontrakte. Bei der britischen Offshore-Windauktion AR7 sicherte sich RWE fünf Projekte mit 6,9 Gigawatt Gesamtkapazität. Laufzeit: 20 Jahre, Preis: 91,20 Pfund je Megawattstunde. Solche Verträge entkoppeln Erträge teilweise vom Spotmarkt.
Bis 2031 plant RWE Nettoinvestitionen von 35 Milliarden Euro. Ziel: die Erzeugungskapazität auf rund 65 Gigawatt ausbauen — ein Plus von 25 Gigawatt.
Verschuldung steigt, Prognose hält
Die Nettoverschuldung lag zum 31. März 2026 bei 15,6 Milliarden Euro. Der Anstieg gegenüber Jahresende 2025 spiegelt hohe Investitionen und saisonale Cashflow-Effekte wider. RWE gibt an, die selbst gesetzte Obergrenze beim Leverage Factor weiterhin einzuhalten.
Die Jahresprognose bleibt unverändert: bereinigtes EBITDA zwischen 5,2 und 5,8 Milliarden Euro, bereinigtes Nettoergebnis zwischen 1,55 und 2,05 Milliarden Euro. Die Dividende soll auf 1,32 Euro je Aktie steigen.
Die Aktie notiert aktuell bei 56,78 Euro, ein Tagesplus von knapp drei Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus rund 21 Prozent — allerdings liegt der Kurs noch knapp acht Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 61,70 Euro, das Ende April erreicht wurde.
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