Rwe Aktie: Analysten sehen mehr drin

RWE-Aktie steigt auf höchsten Stand seit Mai. Analysten sehen weiteres Potenzial dank Gaskraftwerks-Plänen und Rechenzentrums-Standorten.

Auf einen Blick:
  • Aktie erreicht Dreimonatshoch
  • Analysten sehen ungehobenes Potenzial
  • Rechenzentren und Gaskraftwerke als Treiber
  • Angespannter Winter könnte Geschäft beflügeln

Rwe klettert auf ein Dreimonatshoch. Am Donnerstag stieg die Aktie um 3,5 Prozent auf 59,64 Euro — der höchste Stand seit Mitte Mai. Auslöser war nicht die reine Zahlenvorlage, sondern das, was Vorstandschef Markus Krebber in der Telefonkonferenz mit Analysten andeutete.

Der endgültige Halbjahresbericht selbst brachte kaum Neues gegenüber den bereits Ende Juli veröffentlichten vorläufigen Zahlen. Das bereinigte Ebitda stieg im ersten Halbjahr um 44 Prozent auf gut 3 Milliarden Euro, das bereinigte Nettoergebnis verbesserte sich um fast 60 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Für die Aktie zündete stattdessen der Ausblick.

Analysten sehen ungehobenes Potenzial

Goldman-Sachs-Analyst Alberto Gandolfi bezeichnete den Bericht als Saat für weitere Wachstumsbeschleunigung und verwies auf die Pläne des Konzerns, sich an Ausschreibungen für neue deutsche Gaskraftwerke zu beteiligen. JPMorgan-Analyst Pavan Mahbubani ging noch weiter: Er kürte RWE zum „Top Pick“ im Sektor, beließ das Kursziel bei 65 Euro und das Rating bei „Outperform“. Er sieht Aufwärtschancen in praktisch allen Segmenten — von der Sparte Supply & Trading, die bereits den Mittelwert der Jahresprognose erreicht hat, bis zum Übertragungsnetzbetreiber Amprion, dessen Potenzial das Management seiner Einschätzung nach konservativ ansetzt.

Auch Jefferies-Analyst Ahmed Farman sieht Luft nach oben. Er verwies darauf, dass die Jahresziele noch auf Rohstoffpreisen vom 30. Juni basieren — bei den seither gestiegenen Gaspreisen impliziere das zusätzliches Potenzial. RWE-Finanzchef Michael Müller bestätigte diese Einschätzung in der Telefonkonferenz.

Rechenzentren und angespannter Winter als Treiber

Krebber sprach von starker Nachfrage nach Standorten für Rechenzentren und deutete an, dass bei zwei Grundstücken eine Einigung näherrückt. Details wollte er mit Verweis auf die Konkurrenz nicht preisgeben, zeigte sich aber optimistisch. Insgesamt hat RWE nach eigenen Angaben rund zehn solcher Standorte in der Entwicklung — attraktiv, weil sie meist bereits über starke Netzanschlüsse und Kühlmöglichkeiten verfügen.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, den das Management für das zweite Halbjahr hervorhob: niedrige Füllstände der Gasspeicher und geringe Wasserreserven deuten auf einen angespannten Winter bei Gas und Strom hin. Das dürfte sich sowohl im Handelsgeschäft als auch im Erzeugungsportfolio positiv niederschlagen, auch wenn das Management wegen begrenzter Vorhersehbarkeit in diesem Bereich bei der Prognose zurückhaltend blieb.

Mit dem jüngsten Kurssprung hat RWE seit Jahresbeginn nun ein Plus von mehr als einem Viertel aufgebaut. Ob die Aktie die Marke von 60 Euro nachhaltig knackt, dürfte sich an den nächsten konkreten Abschlüssen bei den Rechenzentren-Standorten entscheiden — genau jenem Bereich, den Krebber bislang bewusst vage gehalten hat.

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