Vor der Veröffentlichung des vollständigen Halbjahresberichts am kommenden Donnerstag treibt der Energiekonzern Rwe den Umbau seines Portfolios massiv voran. Nach einer umfassenden Einigung mit den US-Behörden zieht sich das Unternehmen vollständig aus der Offshore-Windkraft in den Vereinigten Staaten zurück und schichtet die freiwerdenden Mittel unmittelbar in die Gas-Infrastruktur um.
Parallel dazu untermauern angehobene Ergebnisziele und eine strategische Mehrheitsübernahme im deutschen Übertragungsnetz die Wachstumsambitionen des Essener Konzerns.
Milliarden-Vergleich beendet Offshore-Ambitionen in den USA
Am vergangenen Donnerstag wurde bekannt, dass RWE im Rahmen eines Vergleichs mit dem US-Innenministerium sämtliche Pachtrechte für geplante Offshore-Windparks vor den Küsten von New York, Kalifornien und Louisiana zurückgibt. Medienberichten zufolge erhält das Unternehmen dafür eine Entschädigung in Höhe von rund 1,06 Milliarden Euro (1,22 Milliarden US-Dollar). Im Gegenzug verzichtet RWE auf alle weiteren Ansprüche gegenüber der US-Regierung.
Die freiwerdenden Mittel werden umgehend reinvestiert, wobei der Fokus deutlich stärker auf den Bereich Erdgas rückt. Wie RWE Americas mitteilte, fließen 900 Millionen US-Dollar in eine indirekte Beteiligung von 16 Prozent an einem LNG-Projekt in Louisiana.
Weitere 300 Millionen US-Dollar investiert der Konzern in Gasturbinenkapazitäten. Dieser Schritt verdeutlicht die taktische Neuausrichtung auf dem US-Markt, weg von den kapitalintensiven und langwierigen Offshore-Windprojekten hin zu schneller verfügbaren Kapazitäten im Bereich der fossilen Energieträger und der Infrastruktur.
Prognoseerhöhung und Amprion-Übernahme prägen das Halbjahr
Bereits Ende Juli veröffentlichte RWE vorläufige Zahlen für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres, die die Markterwartungen übertrafen. Das bereinigte EBITDA belief sich im ersten Halbjahr auf 3.011 Millionen Euro, während das bereinigte Nettoergebnis 1.257 Millionen Euro erreichte.
Auf Basis dieser Entwicklung korrigierte das Management die Prognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich nach oben. Erwartet wird nun ein bereinigtes EBITDA in einer Spanne von 5,75 bis 6,35 Milliarden Euro, nachdem zuvor lediglich 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Auch für das Jahr 2027 wurde die Zielmarkte beim bereinigten EBITDA auf bis zu 7,3 Milliarden Euro angehoben.
Flankiert wird diese operative Stärke durch die im Juni vereinbarte Mehrheitsübernahme am Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Für rund 3,6 Milliarden Euro erhöht RWE seine Beteiligung an dem Unternehmen auf 55 Prozent.
Zur Finanzierung dieser Transaktion führte der Konzern eine Kapitalerhöhung durch, bei der 74,3 Millionen neue Aktien zu einem Preis von 54 Euro platziert wurden, was einen Bruttoerlös von etwa 4 Milliarden Euro einbrachte. Die kartellrechtliche Freigabe für die Amprion-Übernahme wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.
Aktie zeigt Aufwärtstrend vor dem Halbjahresbericht
An der Börse wird die operative Neuausrichtung wohlwollend aufgenommen. Am heutigen Dienstag notiert das Papier bei 56,82 Euro, was einem Plus von 0,53 Prozent entspricht. Seit Jahresbeginn konnte der Wert bereits um 25,54 Prozent zulegen.
Die Analysten der DZ Bank bestätigten am 28. Juli ihre Kaufempfehlung und erhöhten das Kursziel auf 66 Euro. Mit diesem Niveau rückt das 52-Wochen-Hoch von 62,00 Euro, das am 30. April markiert wurde, wieder stärker in den Fokus der Anleger.
Mit Spannung wird nun der am Donnerstag anstehende detaillierte Halbjahresbericht erwartet. Investoren dürften dabei besonders auf weitere Details zur Integration von Amprion sowie auf die zeitliche Umsetzung der neuen US-Gasprojekte blicken.
Die Aktie stabilisierte sich zuletzt über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und spiegelt die Erwartungshaltung des Marktes wider, dass RWE die Transformation zum diversifizierten Energieversorger mit erhöhtem Fokus auf stabile Netzerträge und flexible Gaskapazitäten erfolgreich fortsetzt.
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