Der Ölpreis explodiert förmlich. Am Freitag schoss WTI-Rohöl um über 12 Prozent nach oben und erreichte mit 90,90 Dollar pro Barrel den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Die Wochenbilanz ist noch beeindruckender. Mit einem Plus von 35,6 Prozent verzeichnet WTI den stärksten Wochenanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1983.
Der Grund für diese Rallye liegt im Persischen Golf. Die Straße von Hormus bleibt faktisch geschlossen, Schiffe und Lieferungen stecken fest. Nach Schätzungen von Citi gehen dem Markt täglich zwischen 7 und 11 Millionen Barrel Rohöl sowie 4 bis 5 Millionen Barrel Ölprodukte verloren. Das sind gewaltige Mengen, die nicht einfach ersetzt werden können.
Noch drastischer formuliert es Vikas Dwivedi von Macquarie. Er warnt, dass der Rohölmarkt ohne schnelle Lösung bereits in Tagen zusammenbrechen könnte, nicht erst in Wochen oder Monaten. Goldman Sachs sieht die 100-Dollar-Marke bereits für nächste Woche im Visier, falls keine Entspannung eintritt.
WTI Crude Oil Chart
Produktionskürzungen verschärfen die Lage weiter
Irak und Kuwait haben bereits begonnen, ihre Produktion herunterzufahren, weil die Lagerkapazitäten voll laufen. Diese Kürzungen mögen klein erscheinen, aber sie kamen überraschend früh. Rebecca Babin von CIBC Private Wealth sieht darin ein Warnsignal. Ähnliche Schritte könnten bei größeren Produzenten folgen, was die Versorgungslage noch dramatischer verschärfen würde.
Die US-Regierung versucht gegenzusteuern. Finanzminister Bessent kündigte an, Sanktionen gegen russisches Öl teilweise aufzuheben. Hunderte Millionen Barrel sanktioniertes Rohöl befinden sich aktuell auf dem Wasser. Durch die Aufhebung der Sanktionen könnte das Finanzministerium zusätzliches Angebot schaffen, so Bessent.
Auch Brent-Öl legte kräftig zu und gewann in der Woche 27,2 Prozent auf 92,69 Dollar. Das ist der beste Wochenanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen 1991. Benzin und Diesel zogen ebenfalls massiv an. Die Märkte sind nervös, und die Unsicherheit über die Dauer der Blockade treibt die Preise weiter. Anleger sollten sich auf weitere volatile Wochen einstellen, denn eine schnelle Lösung ist derzeit nicht in Sicht.
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