Plug Power verkauft, was sich verkaufen lässt. Grundstücke, Netzanschlüsse, ganze Projektrechte – der Wasserstoff-Pionier räumt gerade seine Bilanz auf, um flüssig zu bleiben. Die Frage ist nicht, ob das Unternehmen genug Champions für seine grüne Vision findet. Die Frage ist, ob genug Bargeld übrig bleibt, bis diese Vision Geld verdient.
Der Kurs spricht bereits eine deutliche Sprache. Am Mittwoch schloss die Aktie bei 1,93 Euro, nach einem Minus von 7,4 Prozent in einer Woche und 17 Prozent in einem Monat. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,72 Euro im Juni trennen die Aktie mittlerweile 48 Prozent.
Vom Wasserstoff-Bauherrn zum Asset-Verkäufer
Ursprünglich wollte Plug Power in Graham, Texas, eine Anlage für 45 Tonnen grünen Wasserstoff pro Tag bauen. Jetzt verkauft das Unternehmen genau dieses Grundstück samt 164 Megawatt Netzanschlusskapazität an Stream Data Centers. Der Deal soll bis zu 76,5 Millionen Dollar einbringen: 50 Millionen Dollar zum geplanten Closing Ende Juli 2026, weitere 26,5 Millionen abhängig von der finalen Lastkapazität.
Rechnet man freiwerdende Sicherheitsleistungen von rund 14 Millionen Dollar hinzu, kommt die Texas-Transaktion auf etwa 90,5 Millionen Dollar Liquiditätseffekt. Das ist Teil eines größeren Plans: Über Asset-Verkäufe, freigegebene Barreserven und gesenkte Wartungskosten will Plug Power mehr als 275 Millionen Dollar an Liquidität freisetzen. CEO Jose Luis Crespo nennt diese Monetarisierung einen zentralen Baustein der Strategie für 2026 – neben Margen- und Cashflow-Verbesserungen.
Kurz gesagt: Das Ziel heißt Überleben mit Substanz, nicht Wachstum um jeden Preis.
New York bremst aus
Schwieriger läuft es beim New York Gateway Project. Ursprünglich hatte Plug Power seine Anteile für einen Festpreis von 142 Millionen Dollar an Stream Data Centers verkaufen wollen. Jetzt wird der Deal in Etappen zerlegt, die Frist für die Nicht-Grundstücks-Assets verschiebt sich bis Ende März 2027.
Der Grund liegt in New Yorks Regulierung. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete am 14. Juli 2026 eine Verordnung, die groß angelegte Rechenzentren ab 50 Megawatt für ein Jahr stoppt. Genau davon betroffen: das geplante Stream-Projekt im STAMP-Industriepark, wo das Gateway-Projekt liegt. Crespo betont zwar, der Deal laufe weiter – Stream habe bereits über 21 Millionen Dollar investiert. Trotzdem zeigt der Fall, wie sehr Plug Power inzwischen von fremden Genehmigungsprozessen abhängt, um an eigenes Geld zu kommen.
Die Kassenlage im Klartext
Zum 30. Juni 2026 verfügte Plug Power über rund 162 Millionen Dollar an freien liquiden Mitteln. Drei Monate zuvor, Ende März, waren es noch 223,2 Millionen Dollar – ein Rückgang um 27 Prozent in einem einzigen Quartal. Dem stehen laut den SEC-Unterlagen zum ersten Quartal 2026 Schulden von 1,01 Milliarden Dollar gegenüber.
Diese Kombination erklärt den Verkaufsdruck. Ein Unternehmen mit einer Milliarde Dollar Schulden und schmelzenden Barreserven hat wenig Verhandlungsspielraum – ganz gleich, wie vielversprechend die Wasserstoff-Zukunft auf dem Papier aussieht.
An der Börse zeigt sich die Marktkapitalisierung von aktuell 2,72 Milliarden Euro als fragiler Wert. Zwar liegt die Aktie noch 1,78 Prozent im Plus seit Jahresbeginn und 47,49 Prozent über ihrem Niveau vor zwölf Monaten. Der jüngste Absturz überschattet das aber deutlich.
Technisch gilt das Papier mit einem 14-Tage-RSI von 29,4 als überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von fast 56 Prozent zeigt: Wer hier investiert, muss Nervenstärke mitbringen. Das aktuelle Analystenkursziel von 3,10 Euro würde ein Plus von gut 60 Prozent bedeuten – allerdings nur, wenn Plug Power seine Liquiditätslücke tatsächlich schließt.
Bis Ende März 2027 muss sich zeigen, ob New York seine Rechenzentren-Pause aufhebt und der Gateway-Deal doch noch vollständig über die Bühne geht. Bis dahin bleibt der Texas-Verkauf die verlässlichere Einnahmequelle – und für Plug Power der wichtigere Testfall, ob sich Wasserstoff-Träume in bares Geld verwandeln lassen.
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