OMV: Delaney wird erste Frau an der Spitze

Emma Delaney wird ab September erste OMV-Chefin. Der Energiekonzern meldete zugleich starke Quartalszahlen und treibt seine Neuausrichtung voran.

Auf einen Blick:
  • Erste Frau an der Omv-Spitze
  • BGI-Joint-Venture mit ADNOC abgeschlossen
  • Operatives Ergebnis steigt um 65 Prozent
  • Barclays erhöht OMV-Kursziel auf 57 Euro

An der Spitze des Wiener Energiekonzerns OMV steht am kommenden Dienstag ein historischer Wechsel bevor. Emma Delaney übernimmt am 1. September das Amt der Vorstandsvorsitzenden und wird damit die erste Frau in der Geschichte des Unternehmens, die diese Position bekleidet. Sie folgt auf Alfred Stern, der bereits im Mai des vergangenen Jahres angekündigt hatte, seine Funktion nicht über den August 2026 hinaus zu verlängern.

Delaney, die zuvor als Vorstandsmitglied für das Kunden- und Produktgeschäft beim britischen Energieriesen BP tätig war, wurde vom Aufsichtsrat für zunächst drei Jahre bestellt.

Parallel zum Antritt der neuen CEO setzt der Konzern auf personelle Kontinuität im Finanzressort. Das Mandat von Finanzvorstand Reinhard Florey wurde bereits im April vorzeitig um zwei Jahre bis Ende Juni 2029 verlängert.

Florey übernimmt zudem die Rolle des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Die neue Führungsmannschaft übernimmt ein Unternehmen, das sich in einer Phase tiefgreifender strategischer Transformation befindet, aber operativ zuletzt eine hohe Dynamik aufwies.

Strategische Neuausrichtung und internationale Partnerschaften

Ein zentraler Baustein der künftigen Unternehmensstruktur ist das Joint Venture Borouge Group International (BGI), dessen Gründung Ende März abgeschlossen wurde. In dieser Allianz mit dem staatlichen Partner ADNOC aus Abu Dhabi halten beide Partner jeweils 46,94 Prozent der Anteile.

Das BGI-Konstrukt bündelt wesentliche Aktivitäten im Bereich der Polymere und Chemikalien und wurde durch die Integration von Borealis und die Übernahme von NOVA Chemicals gestärkt. Um den Eigentumsausgleich in diesem Bündnis sicherzustellen, leistete OMV eine Barkapitalerhöhung in Höhe von 1,6 Milliarden Euro.

Die Neuausrichtung spiegelt sich auch in der künftigen Kapitalallokation wider. Ab dem Geschäftsjahr 2026 greift eine neue Dividendenpolitik. Diese sieht vor, dass die Aktionäre zu 50 Prozent an den Dividendenzahlungen aus dem BGI-Joint-Venture beteiligt werden.

Zusätzlich sollen zwischen 20 und 30 Prozent des operativen Cashflows aus dem restlichen Geschäft ausgeschüttet werden. Das Unternehmen plant zudem variable Dividenden, sofern der Verschuldungsgrad (Leverage) unter der Marke von 30 Prozent bleibt.

Operative Rekorde und Fortschritte bei der Gasversorgung

Emma Delaney baut auf einem starken finanziellen Fundament auf. Vor gut drei Wochen berichtete das Unternehmen über ein CCS operatives Ergebnis vor Sondereffekten von 1,706 Milliarden Euro für das zweite Quartal 2026 – ein Anstieg von 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Dieser Erfolg wurde maßgeblich durch verbesserte Raffineriemargen in Europa getrieben, die mit 20,3 US-Dollar pro Barrel deutlich über dem Vorjahresniveau lagen. Der Umsatz in diesem Zeitraum kletterte um 39 Prozent auf 8,059 Milliarden Euro.

Auch in der Kernenergieversorgung meldete OMV zuletzt signifikante Fortschritte. In Wittau, Niederösterreich, wurde im Mai die Förderung aus dem größten Gasfund Österreichs seit rund vier Jahrzehnten aufgenommen. Die ersten Lieferungen für den Markt sind für den kommenden Winter 2026/27 geplant.

Das Feld verfügt in der ersten Phase über ein Volumen von etwa 11 Terawattstunden. Flankiert wird der Fokus auf fossile Ressourcen durch den Ausbau grüner Technologien: Die Europäische Investitionsbank gewährte der OMV im Juli ein Darlehen über 450 Millionen Euro für den Bau einer 140-Megawatt-Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff.

Vertrauen im Vorstand und Analysteneinschätzungen

Innerhalb des Vorstands wird die aktuelle Kursentwicklung offenbar positiv bewertet. Vorstandsmitglied Martijn van Koten unterstrich sein Vertrauen in die Strategie durch Aktienkäufe am 5. August und 7. August, bei denen er insgesamt 500 Papiere erwarb.

An der Börse verzeichnet der Titel eine starke Entwicklung und weist seit Jahresbeginn ein Kursplus von 42 Prozent auf. Mit einem Schlusskurs von 67,10 Euro am vergangenen Freitag notiert die Aktie knapp 3,0 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 69,15 Euro.

Die Analystenhäuser blicken derweil mit gemischten Gefühlen auf die Bewertung. Am 1. August bestätigte RBC Capital Markets die Einstufung „Underperform“ mit einem Kursziel von 60,00 Euro.

Etwas optimistischer zeigte sich Barclays am 3. August: Die Experten hoben das Kursziel für die Omv-Aktie von 53,00 Euro auf 57,00 Euro an, belieben jedoch bei der Empfehlung „Underweight“. Während die operativen Zahlen überzeugten, bleibt der Markt bei der Bewertung der langfristigen Transformationsrisiken vorsichtig.

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