UBS hat gestern das Kursziel für Omv von 77 auf 79 Euro angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Die Quartalszahlen übertrafen nach Einschätzung der Bank die Erwartungen. Entscheidend war dabei nicht allein das operative Geschäft: Eine geringere Steuerbelastung glich das schwächere Chemieergebnis mehr als aus. Für Anleger rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, wie dauerhaft die Ergebnisstärke ist.
UBS sieht Erwartungen übertroffen
Die positive Analystenreaktion folgt auf einen kräftigen Ergebnissprung. Im dritten Quartal 2026 stieg das bereinigte CCS-Betriebsergebnis um 68 Prozent auf rund 2,1 Milliarden Euro. Hinter dem Konzernzuwachs stehen allerdings deutlich unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Geschäftsbereichen.
Das Kraftstoffgeschäft lieferte den größten Ergebnisbeitrag. Auch der Energiebereich legte zu. Die Chemie entwickelte sich dagegen rückläufig und bildete damit ein Gegengewicht zum starken Geschäft mit Öl, Gas und Kraftstoffen.
Das Fuels-Ergebnis erreichte 1,124 Milliarden Euro und stieg damit um 172 Prozent. Die europäische Raffineriemarge lag bei 37,50 US-Dollar je Barrel.
Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Raffineriegeschäfts für den jüngsten Gewinnsprung. Zugleich zeigt die Schwäche der Chemie, dass der Aufschwung nicht alle Konzernbereiche erfasst.
Im Energiebereich erhöhte sich das Ergebnis um 51 Prozent auf 936 Millionen Euro. Die Chemie steuerte noch 63 Millionen Euro bei.
UBS bewertet das Gesamtbild dennoch positiv. Die Aktie schloss gestern mit einem Tagesplus von 2,0%. Das passt zur günstigen Aufnahme der Zahlen, ersetzt aber nicht die Prüfung der längerfristigen Ergebnistreiber.
Gewinnschätzungen bleiben vorsichtiger
Für 2026 erwartet UBS einen Gewinn je Aktie von 10,52 Euro. Die Dividendenschätzung liegt bei 5 Euro je Aktie.
Die Kaufempfehlung bedeutet allerdings nicht, dass die Bank eine unverändert hohe Ertragskraft unterstellt. Ihre Schätzungen sehen in den Folgejahren sinkende Gewinne je Aktie vor. Das höhere Kursziel und die vorsichtigere Gewinnentwicklung stehen damit nebeneinander.
Für 2027 veranschlagt UBS einen Gewinn je Aktie von 8,87 Euro.
Für 2028 fällt die Schätzung mit 8,50 Euro nochmals niedriger aus.
Die Dividendenschätzung bleibt dagegen für beide Folgejahre unverändert. Für Anleger unterscheidet die Bank damit zwischen der erwarteten Gewinnentwicklung und der möglichen Ausschüttung. Bei beiden Größen handelt es sich um Prognosen, nicht um bereits feststehende Ergebnisse oder beschlossene Zahlungen.
Neptun Deep und Steuern als Faktoren
Einen zusätzlichen Ergebnistreiber erwartet OMV vom Gasprojekt Neptun Deep. Es ist nahezu 90 Prozent fertiggestellt. Der erste Gasfluss wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet.
Der mögliche Beitrag hängt vom Hochlauf und den zugrunde gelegten Gaspreisen ab. Das Projekt liefert daher eine Wachstumsperspektive, aber noch keinen laufenden Ergebnisbeitrag in der erwarteten Größenordnung.
Bei Plateauproduktion rechnet OMV mit rund 500 Millionen Euro zusätzlichem jährlichem Betriebsergebnis. Diese Schätzung beruht auf einem Gaspreis von 25 Euro je Megawattstunde.
Parallel bleibt die Besteuerung relevant. In der Konferenz am Donnerstag bezifferte OMV die Solidaritätsbeiträge in Österreich und Rumänien im dritten Quartal auf rund 200 Millionen Euro. Österreich soll die Belastung spätestens zum Jahresende beenden; eine Verlängerung in Rumänien ist ungewiss.
Damit steht der von UBS hervorgehobenen Steuerentlastung weiterhin politische Unsicherheit gegenüber. Die Tragfähigkeit der Gewinne hängt neben den Raffineriemargen auch vom Gasprojekt und der künftigen Abgabenlast ab.
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