Die geplante Großübernahme von Dominion Energy durch NextEra Energy trifft auf zunehmenden politischen Gegenwind. Im US-Bundesstaat Virginia formiert sich während der laufenden Anhörungen vor der Aufsichtsbehörde State Corporation Commission geschlossener Protest gegen die 67 Milliarden US-Dollar schwere Transaktion.
Virginias Vizegouverneurin Ghazala Hashmi sprach sich offiziell gegen den Zusammenschluss aus und forderte die Aufsicht auf, das Vorhaben zu stoppen. An der Börse notiert die Aktie von NextEra Energy heute bei 69,20 Euro, was einem leichten Tagesplus von 0,6 Prozent entspricht.
Bedenken wegen Stromkosten und Rechenzentren
Ghazala Hashmi begründete ihre Ablehnung nach einer fünfteiligen Informationstour durch den Bundesstaat mit unzureichendem Schutz für Verbraucher. Zudem warnte sie vor finanziellen Risiken für Privathaushalte durch NextEras Struktur mit zahlreichen Projektgesellschaften.
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Infrastrukturkosten für den rasant wachsenden Energiebedarf von Rechenzentren: Sollten entsprechende Nachfrageprognosen ausbleiben, könnten reguläre Stromkunden auf den Kosten sitzen bleiben.
Auch Gouverneurin Abigail Spanberger hatte zuvor Skepsis geäußert und im Verfahren interveniert, während sich gestern mehrere Abgeordnete in Williamsburg öffentlich gegen den Zusammenschluss wandten.
Die Führung beider Versorger verteidigt das Vorhaben hingegen vehement. Dominion-CEO Bob Blue betonte gestern, dass Größenvorteile bei Finanzierung, Beschaffung und Bau letztlich den Abnehmern zugutekommen werden. Rechenzentren müssten ihren fairen Anteil an Netzausbauten tragen, während die Tarife weiterhin vollständig reguliert blieben.
Um Bedenken zu zerstreuen, sagten die Konzerne Privatkunden monatliche Rechnungsgutschriften von 10 US-Dollar über vier Jahre sowie Zahlungen von 100 Millionen US-Dollar in Hilfsprogramme zu. NextEra-Vizechef Armando Pimentel sicherte zudem zu, dass das Virginia-Geschäft von Dominion eine eigenständige Leitung und Finanzabwicklung behalten werde.
Enorme Dimensionen und wichtige Fristen
Der im Mai angekündigte All-Stock-Zusammenschluss würde einen regulierten Versorger mit zehn Millionen Kunden über vier Bundesstaaten hinweg formen. Die State Corporation Commission hielt gestern in Newport News eine öffentliche Anhörung ab, weitere Termine folgen.
Schriftliche Stellungnahmen können Bürger noch bis zum 9. November einreichen, bevor am 17. November die formelle Beweisanhörung beginnt. Eine Entscheidung der Kommission in Virginia wird für den 11. Januar 2027 erwartet. Insgesamt benötigt die Fusion die Zustimmung von sechs Aufsichtsbehörden.
Parallel treibt NextEra das Geschäft mit industriellen Großkunden voran. In Texas wurde das Unternehmen gemeinsam mit Partnern für das 22 Milliarden US-Dollar schwere Projekt Star ausgewählt. Dort soll NextEra ein Gaskraftwerk errichten, um einen im Bau befindlichen Rechenzentrumscampus mit Strom zu versorgen.
Investoren blicken vor diesem Hintergrund auf den 21. Oktober, an dem Vorstandschef John Ketchum die Finanzergebnisse für das dritte Quartal 2026 vorstellen wird. Auf Jahressicht hinkt der Titel bisher hinterher: Mit dem aktuellen Niveau liegt der Versorgerwert rund 17 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
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