EZB: Iran-Krieg zwingt zur Wende

Die Inflation im Euroraum steigt auf den höchsten Stand seit September 2023. Die EZB signalisiert eine Zinserhöhung für den 11. Juni.

Auf einen Blick:
  • Teuerungsrate klettert auf 3,2 Prozent
  • EZB-Sitzung am 11. Juni im Fokus
  • Energiepreise treiben Inflation an
  • Konjunktur gerät unter Druck

Der Iran-Krieg hinterlässt seine Spuren nicht nur an den Energiemärkten — er zwingt die Europäische Zentralbank zur geldpolitischen Kehrtwende. Nach einer langen Phase stabiler Leitzinsen rückt eine Erhöhung am 11. Juni näher.

Inflation auf dem höchsten Stand seit September 2023

Die Mai-Daten des EU-Statistikamts Eurostat liefern den entscheidenden Datenpunkt: Die Teuerungsrate im Euroraum kletterte auf 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr — der höchste Wert seit September 2023. Das EZB-Ziel von 2 Prozent liegt damit deutlich außer Reichweite. Selbst die Kernrate, bereinigt um Energie und Nahrungsmittel, stieg auf 2,5 Prozent.

Treiber ist vor allem der Iran-Krieg, der über steigende Energiepreise und Lieferkettenstörungen die Preise im Euroraum nach oben drückt. Eine längere Sperrung der Straße von Hormus würde den Inflationsdruck weiter verschärfen.

Signale aus dem EZB-Rat

Marktteilnehmer rechnen für die Sitzung am 11. Juni mehrheitlich mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte — gestützt durch entsprechende Äußerungen aus dem EZB-Rat selbst. Die Notenbank hat geldpolitische Handlungsbereitschaft signalisiert, und das Inflationsbild dürfte ihr wenig Spielraum lassen.

Das wirtschaftliche Umfeld macht die Entscheidung jedoch heikel. Die Konjunktur in der Eurozone gerät unter Druck — hohe Energiepreise belasten Haushalte und Unternehmen, während die Nachfrage schwächelt. Kein Wunder, dass Marktbeobachter die Kombination aus drohender Rezession und steigender Inflation mit Sorge betrachten.

Sollte die Lage im Nahen Osten eskalieren und die Energiepreise weiter steigen, dürften weitere Zinsschritte im Jahresverlauf folgen. Wie weit die EZB bereit ist zu gehen, ohne die schwächelnde Konjunktur zusätzlich zu belasten, wird die entscheidende Frage des zweiten Halbjahres 2026 sein.

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