Ein Rekordquartal, und trotzdem rutscht die Aktie ab. Bei Neste zeigt sich am Freitag ein Muster, das viele Anleger kennen: Die Zahlen sind so gut wie nie zuvor — doch sie liegen knapp unter dem, was der Markt erwartet hatte. Das reicht, damit Energiewerte den europäischen Handel belasten und Neste zu den Verlierern im Sektor zählt.
Dabei kann sich das operative Bild eigentlich sehen lassen. Der finnische Bioraffinerie- und Ölkonzern meldete für das zweite Quartal ein vergleichbares EBITDA von 1.203 Millionen Euro — mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum mit 341 Millionen Euro. Der Nettogewinn kletterte auf 765 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie lag bei 1,00 Euro.
Regulatorischer Rückenwind trifft auf Nahost-Konflikt
Zwei Faktoren trieben das Ergebnis. Zum einen sorgte der Nahost-Konflikt für außergewöhnlich weite Diesel-Margen im Ölgeschäft — die Raffineriemarge stieg auf 25,8 Dollar je Barrel. Zum anderen profitierte das Geschäft mit erneuerbaren Produkten von einer Rekord-Verkaufsmarge von 1.223 Dollar pro Tonne, begünstigt durch schärfere Klimaauflagen in Europa und den USA. Deutschlands finale Umsetzung der RED-III-Richtlinie soll laut Unternehmensangaben allein 2026 zusätzliche 1,5 Millionen Tonnen Nachfrage nach erneuerbarem Diesel bringen.
Für das erste Halbjahr summiert sich das vergleichbare EBITDA auf 2.064 Millionen Euro. Die Verschuldungsquote sank auf 29,9 Prozent — deutlich unter der selbstgesteckten Zielmarke von 40 Prozent und ein klarer Fortschritt gegenüber den 34,3 Prozent zum Jahresende 2025.
Wartungsstopps prägen das zweite Halbjahr
Der Blick nach vorn zeigt, warum Vorsicht angebracht bleibt. Gleich drei große Raffinerien gehen in den kommenden Monaten in die geplante Wartung: Porvoo ab August für acht Wochen, Rotterdam im vierten Quartal ebenfalls für acht Wochen, und eine Produktionslinie in Singapur ab Dezember für elf Wochen. Für das Ölgeschäft bedeutet das niedrigere Verkaufsvolumina im Jahresverlauf, die Investitionen ohne Übernahmen sollen bei rund 1,2 Milliarden Euro liegen.
Parallel zur Zahlenvorlage baute Neste die Führungsriege aus. Elim Yeoh, zuletzt bei bp für das Biokraftstoffwachstum in Nord- und Südamerika zuständig, übernimmt zum 1. September 2026 die Präsidentschaft für das nordamerikanische Geschäft mit erneuerbaren Produkten und rückt ins Leadership Team auf.
Die Wartungsarbeiten in Porvoo beginnen im August und werden acht Wochen dauern — in dieser Zeit dürfte sich zeigen, wie stark sich die planmäßigen Ausfälle auf die Marge im dritten Quartal auswirken.
Neste-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Neste-Analyse vom 24. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Neste-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Neste-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 24. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
