FuelCell Energy hebt ab, Bloom Energy knickt ein — Wasserstoff-Sektor im Rotationsstrudel

Jefferies-Update löst Kapitalrotation aus: FuelCell Energy gewinnt 21%, Bloom Energy stürzt um 19% ab. Europäische Hersteller Nel, ITM und Ceres unter Druck.

Auf einen Blick:
  • FuelCell Energy erhält 380-MW-Deal
  • Bloom Energy erleidet Gewinnmitnahmen
  • Nel ASA sucht neuen CEO
  • ITM Power erhält Staatsförderung

Eine einzige Analystennotiz hat am Freitag ausgereicht, um die Machtverhältnisse im Wasserstoff-Sektor über Nacht neu zu sortieren. Jefferies stufte FuelCell Energy von „Hold“ auf „Buy“ hoch — und löste damit eine Kapitalrotation aus, die Bloom Energy am selben Tag um fast 19 % in die Tiefe riss. Während sich in den USA das Duell um Data-Center-Aufträge zuspitzt, kämpfen die europäischen Elektrolyseur-Hersteller Nel ASA, ITM Power und Ceres Power mit ganz eigenen Baustellen.

FuelCell Energy: Der 380-MW-Deal als Gamechanger

Der Auslöser für den Kurssprung von über 21 % am Freitag ist greifbar: FuelCell Energy hat mit Fit Energy USA eine strategische Vereinbarung über bis zu 380 Megawatt sauberer Grundlastversorgung für Rechenzentren geschlossen. Eine sofortige Anzahlung für die ersten 30 MW — mit erwarteten Erlösen von rund 90 Millionen Dollar — verwandelt die Investmentstory vom Versprechen zur Substanz.

Die Struktur des Deals ist mehrstufig: Nach der initialen 30-MW-Lieferung, die noch 2026 starten soll, kann Fit Energy Erweiterungen über 100 MW und zwei weitere Phasen à 125 MW auslösen. Langfristige Serviceverträge über 15 bis 20 Jahre sichern wiederkehrende Einnahmen. Fit Energy erhält zudem Optionsscheine auf bis zu 12 Millionen FuelCell-Aktien zu je 26,44 Dollar — diese werden jedoch erst bei Erreichen der Meilensteine fällig.

Die Verkaufspipeline wuchs im zweiten Quartal auf 4 Gigawatt, ein Plus von 267 % gegenüber dem Vorquartal. Rund 89 % der Anfragen stammen aus dem Rechenzentrums-Segment. Die Kehrseite: Der Auftragsbestand sank im Jahresvergleich um knapp 10 % auf 1,14 Milliarden Dollar, und die Quartalszahlen verfehlten die Umsatzerwartungen.

Canaccord Genuity hob das Kursziel auf 30 Dollar, Jefferies setzt 24 Dollar an. Der Konsens bleibt mit „Hold“ jedoch zurückhaltend — nicht alle Häuser teilen den Optimismus. Die Aktie schloss am Freitag bei 21,02 € und notiert damit rund 135 % über ihrem 200-Tage-Durchschnitt.

Bloom Energy: Rekordlauf trifft auf brutale Gewinnmitnahmen

Der Tagesverlust von 18,57 % am Freitag kam für viele Anleger wie aus dem Nichts. Bloom Energy fiel von rund 309 Dollar auf 252 Dollar, mit einer Intraday-Schwankung von über 20 %. Der unmittelbare Auslöser war weniger ein fundamentales Problem als vielmehr eine Kapitalrotation: Geld floss direkt aus Bloom in FuelCell, befeuert durch das Jefferies-Upgrade.

An den Geschäftszahlen hat sich nichts verschlechtert. Das erste Quartal brachte ein Umsatzwachstum von 130 %, die Jahresprognose wurde auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar angehoben. Der Auftragsbestand liegt bei rund 20 Milliarden Dollar, gestützt auf milliardenschwere Verträge mit Oracle, Nebius Group, Brookfield und American Electric Power. Die Produktionskapazität wird in Richtung 2 Gigawatt ausgebaut.

Die Bewertung bleibt allerdings ambitioniert. Bei einer Marktkapitalisierung von etwa 71,7 Milliarden Dollar und einem Forward-KGV nahe dem 128-Fachen preist der Markt sehr viel Zukunft ein. Barclays erhöhte das Kursziel zuletzt auf 276 Dollar, hält aber nur an einem „Equal Weight“-Rating fest. Der Analystenkonsens von 28 Häusern steht bei „Buy“ mit einem durchschnittlichen Zwölfmonatsziel von 264,53 Dollar — deutlich unter dem jüngsten Hoch.

Bloom Energy schloss am Freitag bei 221,50 € und hat damit seit Jahresanfang immer noch 163 % zugelegt. Die zentrale Frage für Anleger: Handelt es sich um eine gesunde Korrektur nach einer Ververzehnfachung in zwölf Monaten — oder um den Beginn einer tieferen Neubewertung?

Nel ASA: Führungsvakuum trifft auf einbrechende Auftragseingänge

Kein anderer Titel im Wasserstoff-Universum steht derzeit so stark unter Druck. Nel ASA hat in nur einem Monat rund 40 % an Wert verloren. Am Freitag schloss die Aktie bei 0,20 € und notiert damit weit unterhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts von 0,27 €.

Die Abwärtsspirale hat einen klaren Katalysator: CEO Håkon Volldal kündigte am 15. Juni seinen Rücktritt an, was die Aktie an jenem Tag um knapp 9 % abstürzen ließ. Volldal bleibt während einer sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt, während der Aufsichtsrat einen Nachfolger sucht. Erschwerend kommt hinzu, dass Nel in eine zweiwöchige Quiet Period vor dem Halbjahresbericht am 15. Juli eingetreten ist — das Management darf sich nicht öffentlich äußern.

Dabei hat das Unternehmen erst im Mai seinen neuen druckbasierten alkalischen Elektrolyseur auf den Markt gebracht, der die Projektkosten um bis zu 60 % senken soll. Das klingt vielversprechend, wird aber von ernüchternden Zahlen konterkariert:

  • Auftragseingang im Q1: 85 Millionen Norwegische Kronen (minus 73 % im Jahresvergleich)
  • Auftragsbestand: 1,113 Milliarden Kronen (minus 24 %)
  • Umsatz: 148 Millionen Kronen (minus 5 %)
  • EBITDA-Verlust: 100 Millionen Kronen (leichte Verbesserung um 15 Millionen)

Ein Liquiditätspuffer von 1,443 Milliarden Kronen — umgerechnet rund 124 Millionen Euro — verschafft Nel Luft. Die Analysten bleiben dennoch skeptisch: Der Konsens lautet „Underperform“, Morgan Stanley sieht das Kursziel bei nur 2,00 NOK, DNB sogar bei 1,50 NOK.

ITM Power: Staatsgeld als Schutzschild gegen den Abverkauf

Während die Aktie in einem Monat 42 % verlor, setzte die britische Regierung ein deutliches Zeichen in die Gegenrichtung. Great British Energy, der staatliche Investmentfonds, erwarb einen direkten Anteil an ITM Power für 40 Millionen Pfund. Zusätzlich stellte das Energieministerium 46,5 Millionen Pfund an Fördermitteln für den Bau einer neuen Gigafactory in Sheffield in Aussicht.

Die Fördermittel sollen in das sogenannte Chronos-Projekt fließen — eine vollautomatisierte Produktionslinie für Elektrolyseure der nächsten Generation mit einer Kapazität von einem Gigawatt. ITM Power hat klargestellt, dass die Investition erst nach Freigabe des Zuschusses durch die britische Wettbewerbsbehörde CMA erfolgt. Jefferies warnt: Ein negatives Ergebnis birgt ein Abwärtsrisiko von 52 % für die Aktie.

Ende Mai wurde ITM in den MSCI United Kingdom Small Cap Index aufgenommen, was passive Fondsmanager zum Kauf zwang und die Aktionärsstruktur veränderte. Das Orderbuch ist auf 152 Millionen Pfund angewachsen, und 71 % der Verträge gelten inzwischen als profitabel — vor einem Jahr waren es nur 6 %.

Finanziell zeigt sich ein gemischtes Bild: Der Umsatz soll im laufenden Geschäftsjahr auf 40 bis 43 Millionen Pfund steigen. Der bereinigte EBITDA-Verlust hat sich im ersten Halbjahr auf 11,9 Millionen Pfund verbessert. Mit rund 200 Millionen Pfund an Barmitteln und null Schulden dürfte ITM Power in diesem Jahrzehnt keine Kapitalerhöhung benötigen. Morgan Stanley, der optimistischste Analyst, traut dem Unternehmen einen EBITDA-Breakeven bis 2028 zu — ein Jahr früher als der Konsens. Die Aktie notierte am Freitag bei 1,30 €.

Ceres Power: Technologie-Vorsprung, Bewertungs-Diskussion

Ceres Power bewegt sich an der Schnittstelle zwischen technologischer Glaubwürdigkeit und kommerzieller Ungeduld. Beim Capital Markets Event im April stellte das Unternehmen Ceres Endura vor — die nächste Generation seiner Festoxid-Technologie, die sowohl Stromerzeugung als auch Wasserstoffproduktion adressiert. Haltbarkeit, Fertigungsreife und längere Lebensdauer stehen im Zentrum des Designs.

Strategische Partnerschaften untermauern den kommerziellen Anspruch. Die Kooperation mit Centrica zielt auf dezentrale Festoxid-Kraftwerke für Industrie und Gewerbe in Großbritannien und Europa — inklusive Rechenzentren und KI-Hubs. Zudem hat Lizenznehmer Delta Electronics mit Centrica eine Infrastrukturpartnerschaft für netzunabhängige Brennstoffzellenlösungen geschlossen.

Der Freitag traf Ceres Power hart: Die Aktie verlor 10,87 % und schloss bei 5,45 €. Innerhalb eines Monats summiert sich das Minus auf über 42 %. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 984 Millionen Pfund. Vertraglich gebundene Erlöse für 2026 beziffert das Management auf etwa 45 Millionen Pfund — vor etwaigem Neugeschäft.

Die Analystenlandschaft ist gespalten. Berenberg hob das Kursziel von 530 auf 980 Pence und bekräftigte „Buy“. Der Konsens von acht Analysten steht bei „Strong Buy“ mit einem Zielkurs von 750 Pence. Peel Hunt hält dagegen an einer Verkaufsempfehlung mit 200 Pence Kursziel fest — die Aktie sei der kurzfristigen Umsetzbarkeit weit davongelaufen.

Wasserstoff-Sektor: Data Center spalten die Gewinner von den Hoffnungsträgern

Die vergangene Woche hat ein Muster sichtbar gemacht, das den Sektor in der zweiten Jahreshälfte 2026 prägen dürfte. Unternehmen mit signierten Verträgen im Rechenzentrums-Segment — allen voran Bloom Energy und FuelCell Energy — werden vom Markt belohnt. Die europäischen Elektrolyseur-Hersteller, die ihre Technologie noch in bindende Großaufträge übersetzen müssen, geraten unter wachsenden Druck.

Die Divergenz ist auch in den Jahreszahlen ablesbar: FuelCell Energy liegt seit Jahresanfang über 200 % im Plus, Ceres Power 120 %, Bloom Energy 163 %. Nel ASA und ITM Power konnten ihre starken Kursgewinne aus dem Frühjahr nicht halten und nähern sich bei den europäischen Titeln bereits wieder der technischen Unterstützung.

Für die kommenden Wochen stehen konkrete Katalysatoren an: Nels Halbjahresbericht am 15. Juli wird zeigen, ob der neue Elektrolyseur erste Bestellungen anzieht. Bei ITM Power entscheidet die CMA-Freigabe über die Zukunft der Chronos-Gigafactory. Und bei Bloom Energy wird sich zeigen, ob die Freitags-Korrektur nach einer Ververzehnfachung in zwölf Monaten nur eine Verschnaufpause war — oder ob der Markt beginnt, die ambitionierte Bewertung grundsätzlich zu hinterfragen. Im Wasserstoff-Sektor trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. Execution schlägt Versprechen.

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