Der US-Spezialist für Seltene Erden, MP Materials, macht entscheidende Fortschritte bei seinem Ziel, eine vollständig integrierte Lieferkette für Magnete in den Vereinigten Staaten aufzubauen.
Das Unternehmen gab gestern bekannt, dass seine unabhängige Magnetfabrik in Fort Worth, Texas, die ersten produzierten Magnete an General Motors (GM) für die erforderlichen Zertifizierungstests im Automobilbereich geliefert hat. Damit rückt der Beginn der kommerziellen Auslieferungen, der für das vierte Quartal 2026 geplant ist, in greifbare Nähe. Die Aktie reagiert positiv auf diese Entwicklung und notiert vorbörslich heute bei 48,30 Euro.
Operative Fortschritte und Zertifizierungsphase
Die Lieferung an General Motors markiert einen Wendepunkt für MP Materials, da das Unternehmen damit den Übergang vom reinen Rohstoffförderer zum Hersteller von Hochleistungsmagneten vollzieht. In der Fabrik in Texas werden die Seltenen Erden, die das Unternehmen in seiner Mine Mountain Pass gewinnt, zu fertigen Komponenten verarbeitet.
Parallel dazu hat das Unternehmen das „Project Swarm“ ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Koordinationsinitiative, um die künftige Nachfrage nach Magneten von US-amerikanischen und verbündeten Drohnen- und Motorenherstellern zu bündeln.
Ziel dieser Initiative ist es, Kapazitäten in der kommenden „10X“-Magnetfabrik in Northlake, Texas, zu sichern. Medienberichten zufolge haben bereits mehrere Drohnenhersteller Absichtserklärungen unterzeichnet, um sich künftige Produktionsmengen zu reservieren, ohne sofortige verbindliche Kaufverpflichtungen einzugehen.
Die Inbetriebnahme dieser großflächigen Anlage ist für das Jahr 2028 vorgesehen, wobei eine jährliche Kapazität von 10.000 Tonnen Neodym-Eisen-Bor-Magneten angestrebt wird.
Kräftiger Umsatzsprung durch NdPr-Absatz
Die operativen Erfolge spiegeln sich bereits in den Finanzergebnissen für das zweite Quartal 2026 wider, die das Unternehmen am vergangenen Donnerstag vorlegte. MP Materials konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 89 Prozent auf 108,5 Millionen US-Dollar steigern.
Dieser Wert übertraf die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt von 95,9 Millionen US-Dollar ausgegangen waren. Haupttreiber für dieses Wachstum war ein Anstieg des Absatzvolumens von Neodym-Praseodym (NdPr) um 127 Prozent auf insgesamt 1.006 Tonnen.
Zusätzlich profitierte das Unternehmen von einem neuen mehrjährigen Liefervertrag über Gadoliniumoxid mit einem US-Kunden aus der Luft- und Raumfahrt sowie der Verteidigungsindustrie. Das bereinigte EBITDA belief sich auf 28,5 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 12,5 Millionen US-Dollar verbucht werden musste.
Gestützt wurde das Ergebnis unter anderem durch Einnahmen in Höhe von 17,6 Millionen US-Dollar aus einer Preissicherungsvereinbarung mit der US-Regierung, die eine Preisuntergrenze von 110 US-Dollar pro Kilogramm für NdPr festlegt.
Strategische Beteiligungen und Analystenbewertungen
Das Vertrauen in die langfristige Strategie zeigt sich auch auf Ebene der Investoren. Pflichtmitteilungen zufolge hat die Investmentgesellschaft Hancock Prospecting der australischen Bergbauunternehmerin Gina Rinehart ihre Position um 7,2 Prozent auf über 14,8 Millionen Aktien ausgebaut.
Auch innerhalb der Führungsebene kam es zu Zukäufen: Chief Operating Officer Michael Stuart Rosenthal erhöhte seinen direkten Anteil am Unternehmen Anfang August durch Käufe am offenen Markt.
Analysten bewerten die Fortschritte bei der vertikalen Integration überwiegend positiv. Die Analysten der Deutschen Bank passten ihr Kursziel am Montag nach Vorlage der Quartalszahlen leicht von 61 auf 58 US-Dollar an, behielten jedoch ihre Kaufempfehlung bei.
George Gianarikas von Canaccord Genuity bekräftigte am Freitag ebenfalls seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 82,00 US-Dollar und verwies dabei auf die Fortschritte beim Aufbau der heimischen Magnetplattform.
Seit Jahresbeginn hat der Titel 8,78 Prozent an Wert gewonnen. Dennoch besteht noch erhebliches Aufholpotenzial zu früheren Höchstständen, da das Papier derzeit rund 47,04 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch notiert. CEO James Litinsky unterstrich zudem bei einem Treffen im Weißen Haus die strategische Bedeutung des Unternehmens für die US-Lieferkettenpolitik und die bestehende Partnerschaft mit dem US-Verteidigungsministerium.
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