Ein Milliarden-Auftrag für Kampfjets, und trotzdem gibt die Aktie nach. Bei Leonardo zeigt sich am Dienstag ein Muster, das Anleger zunehmend verunsichert: Selbst gute Nachrichten aus der Ukraine reichen derzeit nicht, um den Kurs zu stützen.
Die Leonardo-Aktie fiel am Dienstag um 1,87 Prozent auf 49,99 Euro, nach einem Schlusskurs von 50,95 Euro am Vortag. Über die vergangenen sieben Handelstage hat das Papier bereits 7,24 Prozent verloren, auf Monatssicht steht ein Minus von 4,63 Prozent. Auf Zwölf-Monats-Sicht bleibt zwar noch ein Plus von 3,64 Prozent, doch der Trend zeigt zuletzt klar nach unten.
Rüstungswerte im breiten Ausverkauf
Der Rückgang traf Leonardo nicht isoliert. Der Mailänder Leitindex FTSE MIB weitete seine Verluste aus, Fincantieri gab um 1,5 Prozent nach. Auch italienische Banken standen unter Druck: Unicredit verlor 1,3 Prozent, Bper 1,4 Prozent.
Auslöser war eine Mischung aus geopolitischer Anspannung und Zinssorgen. Europas Börsen öffneten schwächer, nachdem der US-Präsident eine Blockade iranischer Schiffe in der Straße von Hormuz erneuert und Zahlungen von anderen Frachtschiffen gefordert hatte. Die Brent-Ölpreis kletterte daraufhin auf 85,66 Dollar je Barrel — der höchste Stand seit einem Monat. Zusätzlich belastete eine Gewinnwarnung von Ericsson die Stimmung am Markt.
Ukraine bestellt Rafale-Jets — der Kurs reagiert kaum
Eigentlich hätte diese Nachricht die Aktie stützen sollen: Die Ukraine hat neue französisch-italienische Luftverteidigungssysteme sowie 16 Rafale-Kampfjets bestellt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte an, dass die Maschinen zwischen 2028 und 2029 in ukrainischen Luftraum zum Einsatz kommen sollen. Paris will zudem die Produktion mehrerer Rüstungsgüter direkt in der Ukraine genehmigen.
Der Kurs blieb davon unbeeindruckt. Ein ähnliches Muster war bereits in den vergangenen Wochen zu beobachten: Neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran hätten in früheren Marktphasen Rüstungsaktien eher beflügelt. Diesmal jedoch überwog der Verkaufsdruck. Marktbeobachter werten das als Zeichen dafür, dass die aktuelle Bewegung weniger mit geopolitischer Angst zu tun hat als mit einer Konsolidierung nach den starken Kursgewinnen der vergangenen Monate.
Zinssorgen drücken zusätzlich
Hinter dem Sektor-spezifischen Druck steht ein größeres Problem: die Zinserwartungen in den USA. Fed-Funds-Futures preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von gut 52 Prozent für zwei oder mehr Zinserhöhungen bis Dezember ein, vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 47,6 Prozent. Auslöser war eine Aussage von Fed-Vertreter Christopher Waller, wonach die Notenbank bei anhaltend hoher Inflation bald wieder erhöhen könnte.
Die Märkte warten zudem auf neue US-Inflationsdaten. Zwar wird eine Abkühlung der Gesamtrate erwartet, der jüngste Ölpreisanstieg könnte dieses Bild jedoch verkomplizieren.
Charttechnik trübt sich ein
Die Verkaufswelle hat Leonardo unter wichtige gleitende Durchschnitte gedrückt. Das Papier notiert 2,63 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 51,35 Euro und 6,21 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 53,31 Euro. Vom im März markierten 52-Wochen-Hoch bei 65,50 Euro trennen die Aktie inzwischen 23,67 Prozent.
Der RSI von 45,6 signalisiert neutrale Dynamik, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 41,15 Prozent zeigt aber: Die Unsicherheit rund um europäische Rüstungswerte bleibt hoch.
Der Fokus der Anleger verschiebt sich derzeit spürbar. Statt der geopolitischen Großwetterlage, die die Rally des vergangenen Jahres befeuert hatte, rücken nun Ausführungsrisiken, Finanzierungsfragen und die tatsächliche Umsetzung neuer Aufträge in den Vordergrund. Ob der Rafale-Deal mit der Ukraine sich in konkreten Umsätzen niederschlägt, dürfte für die weitere Kursentwicklung wichtiger sein als die Schlagzeile selbst.
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