Ausgerechnet ein Konflikt im Nahen Osten verschafft dem Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess derzeit Luft. Weil die Öl- und Gasversorgung asiatischer Wettbewerber durch den Iran-Krieg gestört ist, wenden sich Kunden wieder verstärkt europäischen Anbietern zu. Lieferfähigkeit ist zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden — und Lanxess nutzt das Fenster.
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 6,5 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro und übertraf damit die Konsensschätzungen. Das bereinigte Ebitda kletterte leicht auf 152 Millionen Euro, ebenfalls über den Erwartungen der Analysten. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,51 Euro und fiel damit deutlich besser aus als die am Markt erwarteten 0,38 Euro.
Unterm Strich blieb dennoch ein Verlust: Das Minus weitete sich auf 53 Millionen Euro aus, nach 45 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Wertberichtigungen und die Kosten des laufenden Konzernumbaus drückten das Ergebnis. Die operative Marge verschlechterte sich zudem auf 9,7 Prozent von 10,2 Prozent im Vorjahr — ein Zeichen dafür, dass der Rückenwind aus Asien die strukturellen Probleme nicht überdeckt.
Spezialadditive als Zugpferd
Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit Spezialadditiven: Das Segment-Ebitda sprang um ein Drittel auf 77 Millionen Euro, getrieben von höherer Nachfrage und verbesserten Preisen. Die Sparten Consumer Protection und Advanced Intermediates schwächelten dagegen — hier fraßen gestiegene Rohstoff- und Energiekosten die Preiserhöhungen wieder auf. Zusätzlich belastete die anhaltend schwache Nachfrage aus dem Agrochemie-Geschäft die Gesamtprofitabilität.
Vorstandschef Matthias Zachert bleibt trotz der guten Quartalszahlen zurückhaltend. Ein nachhaltiger Nachfrageanstieg in den Kernmärkten sei nicht erkennbar, so Zachert. Bis Jahresende rechnet er nicht mit spürbaren konjunkturellen Impulsen, erwartet aber steigende Beiträge aus den laufenden Kostensenkungsprogrammen — mehr als in der ersten Jahreshälfte.
Die Jahresprognose bleibt unverändert: Für 2026 peilt Lanxess ein bereinigtes Ebitda zwischen 450 und 550 Millionen Euro an. In der Mitte dieser Spanne läge das Ergebnis rund 10 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. Die Kombination aus besser als erwarteten Quartalszahlen und der Bestätigung der Prognose sorgte am Markt zunächst für eine positive Reaktion, die Aktie legte am Berichtstag um rund 2,75 Prozent zu.
Ob der durch den Nahost-Konflikt ausgelöste Nachfrageschub über das laufende Jahr hinaus trägt, bleibt fraglich. Die Kostensenkungsprogramme, die Zachert für die zweite Jahreshälfte stärker anrechnet, dürften daher zum entscheidenden Hebel für das Erreichen der Jahresziele werden.
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