Der iShares Global Clean Energy ETF notiert zum Wochenschluss bei 17,55 US-Dollar und hat damit binnen 30 Tagen rund 13,01 Prozent eingebüßt. Der Relative-Stärke-Index steht bei 37,4 und signalisiert damit eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Bemerkenswert ist der Kontrast: Während der Fonds unter Druck steht, meldeten mehrere seiner Kernbranchen in den vergangenen Tagen kräftige operative Fortschritte.
Solarmodul-Hersteller liefern robuste Margen
First Solar legte für das zweite Quartal 2026 ein Ergebnis je Aktie von 3,92 US-Dollar vor, bei einer Bruttomarge von rund 57 Prozent. Der Nettoumsatz sank zwar um 4 Prozent auf 1,06 Milliarden US-Dollar, das Nettoeinkommen erreichte jedoch 423 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA lag bei 644 Millionen US-Dollar und damit bei einer Marge von etwa 61 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Unternehmen eine Umsatzprognose von 4,9 bis 5,2 Milliarden US-Dollar. Allerdings wurden gegen First Solar auch Wertpapier-Sammelklagen eingereicht, deren Frist am 24. August läuft.
Gegenläufig entwickelt sich der Preisdruck bei chinesischen Modulen: Der Chinese Module Marker für TOPCon-Module fiel in der Woche zum 28. Juli um 0,91 Prozent auf 0,109 US-Dollar je Watt, auch die Terminpreise für die Folgequartale gaben nach. Eine neue Effizienznorm, die ab Januar 2027 gilt, dürfte die Anforderungen an Modulleistung und Wirkungsgrad verschärfen und den Wettbewerb unter den Herstellern weiter verschärfen.
Bloom Energy und Brookfield Renewable liefern Rekordwerte
Bloom Energy meldete für das zweite Quartal einen Umsatzsprung von 166 Prozent auf 1,07 Milliarden US-Dollar, die bereinigte Bruttomarge kletterte von 28,2 auf 34,3 Prozent. Der operative Cashflow drehte von minus 213,1 Millionen auf plus 226,4 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen hob seine Jahresprognose auf 3,9 bis 4,2 Milliarden US-Dollar Umsatz an. Morgan Stanley bestätigte seine Übergewichten-Einstufung mit einem Kursziel von 310 US-Dollar und verwies darauf, dass Bloom trotz einer erneut zurückgewiesenen Oracle-Pipeline im Projekt Jupiter seine Ausrüstung anderweitig einsetzen könne.
Auch Brookfield Renewable präsentierte Rekordzahlen: Die Mittel aus dem operativen Geschäft stiegen im zweiten Quartal um 11 Prozent auf 421 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen übernimmt für rund 3 Milliarden US-Dollar den Batteriespeicher-Anbieter Aypa, nach eigenen Angaben die größte eigenständige Speicherplattform Nordamerikas mit etwa 3.000 Megawatt im Betrieb. Zusätzlich erhielt das Westinghouse-AP1000-Reaktorprogramm, an dem Brookfield beteiligt ist, eine bedingte Kreditzusage des US-Energieministeriums über bis zu 17,5 Milliarden US-Dollar. Die Quartalsdividende wurde um 5 Prozent auf 0,392 US-Dollar angehoben.
Nachfrageseite bleibt stark, Expansion kostet mehr
Auf der Nachfrageseite liefert Europa positive Signale: Nach Daten von Energy-Charts und dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme überschritt der Solaranteil an der EU-Stromnachfrage im Mai, Juni und Juli jeweils mehr als 20 Prozent – im Juli waren es 21,5 Prozent, verglichen mit 18,8 Prozent im Vorjahresmonat. Deutschland, die Schweiz und Österreich verzeichneten dabei Rekordwerte.
Gleichzeitig zeigen sich bei der Fertigungsexpansion Kostenprobleme. T1 Energy meldete für das zweite Quartal einen Nettoumsatz zwischen 245 und 255 Millionen US-Dollar bei einem Nettoverlust von 34 bis 37 Millionen US-Dollar. Der Bau der geplanten Solarzellenfabrik in Austin verzögert sich wegen gestiegener Lohn- und Materialkosten, die Kapitalkosten werden inzwischen auf 510 Millionen US-Dollar geschätzt. Parallel sicherte sich das Unternehmen Solar-Patente von Evervolt Green Energy für 135 Millionen US-Dollar und monetarisierte Steuergutschriften im Umfang von 39,1 Millionen US-Dollar.
Im Nuklearsegment, das für die Energiewende zunehmend an Bedeutung gewinnt, reichte Westinghouse Electric am Freitag vertraulich die Unterlagen für einen Börsengang ein. Der Mehrheitseigner Brookfield hält 51 Prozent, Cameco 49 Prozent. Cameco selbst meldete für das zweite Quartal einen realisierten Uranpreis von 93,13 US-Dollar je Pfund, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und hob die Umsatzprognose für 2026 auf 3,32 bis 3,57 Milliarden kanadische Dollar an – trotz eines um 92 Prozent eingebrochenen Nettogewinns von 25 Millionen kanadischen Dollar.
Für Anleger im iShares Global Clean Energy ETF ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Die operativen Fortschritte bei Speicher-, Solar- und Wasserstoffthemen sind greifbar, während Kostendruck in der Fertigung und fallende Modulpreise in China kurzfristig auf der Kursentwicklung lasten.
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