Chip-Branche im Rausch nach Meta-App-Erfolg
Eine kostenlose Smartphone-App hat die gesamte Chip-Branche aufgerüttelt. Meta Platforms hat vor wenigen Wochen einen persönlichen KI-Assistenten namens „Muse“ gestartet, der seit wenigen Tagen die Download-Charts anführt. Nach Daten von Sensor Tower ist Muse seit drei Tagen die meistgeladene kostenlose App auf dem iPhone in den USA. Die Meta-Aktie legte um 11 % zu.
Bei Muse handelt es sich um einen KI-Agenten, der Aufgaben im Auftrag seines Nutzers selbstständig erledigt. Der Assistent greift dabei auf Daten aus Meta-Diensten wie WhatsApp, Instagram oder Facebook Marketplace zurück und verbindet sich mit fremden Diensten wie Gmail, Kalendern von Apple und Google oder dem Reservierungsportal OpenTable. Amazon hat auf diesen Siegeszug reagiert und Muse das Einkaufen auf seiner Plattform gesperrt. Das ist ein Dämpfer für Meta, zeigt aber gleichzeitig, wie schnell sich die App verbreitet.
Ein Agent, der für hunderte Millionen Menschen arbeitet, braucht enorme Rechenleistung. Fachleute sprechen von der sogenannten Inferenz, also dem Ausführen eines fertig trainierten KI-Modells. Dafür braucht es neben KI-Beschleunigern auch klassische CPUs. Arm Holdings stieg deutlich. AMD ist damit erstmals in den „Billionärs Club“ aufgestiegen. Der Philadelphia Halbleiterindex kletterte deutlich zu.
Intel hat eingeräumt, dass das Unternehmen nur etwa die Hälfte der Kundennachfrage bedienen kann. AMD rechnet damit, dass der Markt für Serverprozessoren jedes Jahr um mehr als 35 % wachsen könnte und bis 2030 ein Volumen von 120 Milliarden Dollar erreicht. Zudem sieht AMD eine Umsatzchance von 220 Milliarden Dollar bis 2030. Angesichts der bereits starken Kursentwicklung vieler dieser Titel mahnen Beobachter zur Vorsicht bei der Einordnung dieser Euphorie.
In Asien richtet sich der Blick auf Tencent, den Betreiber der App WeChat. Der Konzern hat ein neues Modell zur Bilderzeugung vorgestellt, die Schritte zu einem selbstständigen KI-Assistenten scheinen nicht mehr weit. Die Aktie legte deutlich zu. Alibaba hat ebenfalls einen neuen KI-Beschleuniger präsentiert, den nach eigenen Angaben leistungsstärksten Chip Chinas, der dreimal so viel leisten soll wie sein Vorgänger. Zur Finanzierung wurden bereits umfangreiche Investitionen aufgebracht.
Freundlicher Wochenstart an den Börsen
Der Wochenstart fiel relativ freundlich aus, angestoßen vom Ölmarkt. An den Märkten wächst die Hoffnung, dass es rund um die aktuelle Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York diplomatische Bewegung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran geben könnte. Laut dem Sender Fox News hat US-Präsident Trump signalisiert, am Rande der Generalversammlung wahrscheinlich auch zu einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten bereit zu sein. Hinzu kommt der angekündigte Staatsbesuch von Xi Jinping in den USA in dieser Woche.
Der DAX hatte sich am Freitag noch seinem tiefsten Stand seit Ende Juli genähert, legte dann aber zu. Der Euro Stoxx 50 steuerte ein Plus von 1,3 % bei. Bemerkenswert ist, wie wenig sich die Börse von der Innenpolitik beeindrucken lässt. Bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben AfD und Linke gewonnen, die CDU ist in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landesparlament geflogen, der Druck auf Bundeskanzler Merz wächst.
An der Börse hat dies vor allem Vonovia zu spüren bekommen, die Aktie büßte an Wert ein, weil die Linke als Wahlsiegerin in Berlin große Wohnungskonzerne enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einführen möchte. Experten sehen für eine Enteignung jedoch hohe rechtliche, politische und finanzielle Hürden, sodass der Kursabschlag bei Vonovia und anderen Immobilienaktien eher als Vorsichtsreaktion einzuordnen ist als als Vorbote einer zwangsläufigen Entwicklung.
Die Gewinner des Tages kamen aus der Chip-Branche: Infineon legte über 4 % zu, im MDAX kletterten Elmos, Aixtron, Siltronic und SÜSS MicroTec bis zu über 6 %. Den Schub dafür lieferten die USA – der S&P 500 legte 1,5 % zu, der Dow Jones 0,7 % und der Nasdaq Composite erreichte mit einem Plus von 2,3 % ein Rekordniveau. Es war für S&P 500 und Nasdaq 100 der beste Handelstag seit Anfang August.
Zusätzlich sorgte Warner Bros. Discovery für Schlagzeilen: Die Aktie stieg um rund 10 %, nachdem sich Paramount Skydance mit zwölf US-Bundesstaaten und der Autorengewerkschaft einigen konnte. Damit ist der Weg frei für die rund 110 Milliarden Dollar schwere Übernahme.
Der heutige Handelstag startet verhalten freundlich, da erneut das Öl als Störfaktor wirkt. Nach vier Verlusttagen in Folge hat sich der Preis für die Nordseesorte Brent wieder verteuert. Aus Sicht von Analysten stellt dies derzeit das größte kurzfristige Risiko für die Aktienmärkte dar.
Biotechnologie setzt auf Krebsforschung
Unternehmen wie Moderna oder BioNTech fokussieren sich zunehmend auf die Krebsforschung. Moderna konnte mit einem personalisierten Krebsimpfstoff punkten, der gemeinsam mit Merck entwickelt wird – „Intisera Autogene“. Moderna teilte mit, dass drei Studien zu diesem Impfstoff auf dem Jahrestreffen der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie vorgestellt werden. Im Mittelpunkt steht eine Studie zur Kombination aus dem Moderna-Impfstoff und Mercks Krebsmittel Keytruda bei Patienten mit schwarzem Hautkrebs.
Ein Erfolg des Impfstoffes könnte Keytruda zum Baustein einer neuen, personalisierten Therapieplattform machen. Allerdings bestehen Risiken, da die deutliche Verdreifachung des Börsenwertes in kurzer Zeit eine enorme Erwartungshaltung widerspiegelt. BioNTech hatte erst kürzlich eine Studie mit dem eigenen mRNA-Krebsimpfstoff abgebrochen.
Oura-Ring strebt an die Nasdaq
Das Unternehmen Oura, Hersteller eines Rings, der Schlaf, Herzfrequenz und Stress misst, möchte an die Nasdaq gehen. Insgesamt wollen das Unternehmen und bestehende Investoren 50 Millionen Aktien in einer Preisspanne zwischen 40 und 44 Dollar verkaufen. Oura wäre damit zwischen 15 und 16 Milliarden Dollar wert. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 74 % auf 1,2 Milliarden Dollar. Ein prominenter Investor ist Eli Lilly mit 50 Millionen Dollar.
Chinas Goldkäufe erreichen Rekordniveau
Beim Gold zeigt sich ein deutlicher Nachfrageschub aus China: Das Land hat von Januar bis August mehr als 1.000 Tonnen Gold importiert – bereits mehr als im gesamten Vorjahr. Gründe dafür sind die wirtschaftliche Unsicherheit und begrenzte Anlagealternativen. Charttechnisch hat der Goldpreis derzeit mit seiner 100- und 50-Tage-Linie zu tun.
Bitcoin-Rally wirft Fragen auf
Bitcoin ist innerhalb von vier Tagen um mehr als 13 % gestiegen und erreichte den höchsten Stand seit Januar. Die Börsenaufsicht SEC hat eine fünfjährige Ausnahmeregel erlassen, die es Handelsplätzen erlaubt, tokenisierte US-Aktien zu handeln. Auch die Terminmarktaufsicht CFTC treibt ihre kryptofreundliche Agenda voran. Davon profitieren Token wie Hyperliquid oder Avalanche. MicroStrategy konnte um über 7 % zulegen, Coinbase um fast 5 %.
Im Kryptomarkt wurden innerhalb von 24 Stunden Positionen im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar zwangsweise aufgelöst, davon rund 840 Millionen Dollar bei Leerverkäufern. Die Frage, wie viel echte Überzeugung hinter dem jüngsten Anstieg steckt, bleibt damit weiterhin Gegenstand der Diskussion an den Märkten.
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