Steigende Ölpreise wegen der Nahost-Eskalation. Gewinnmitnahmen im KI-Boom. Für Infineon kommt beides zur Unzeit zusammen. Die Aktie fällt aktuell auf 70,03 Euro und verliert damit 1,13 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 70,83 Euro.
Nahost-Konflikt treibt Ölpreis, Anleger meiden Chipwerte
Auslöser der Schwäche ist die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Die Straße von Hormus sorgt für Nervosität an den Rohstoffmärkten. Nach US-Angriffen auf den Iran zieht der Ölpreis binnen weniger Tage kräftig an.
Ein Barrel der Sorte Brent kostet zuletzt knapp 85 Dollar. Die US-Sorte WTI notiert bei gut 79 Dollar.
Für Infineon hat das direkte Folgen. Die Aktie startete bereits vorbörslich deutlich schwächer. Sie litt unter dem Ausverkauf asiatischer Technologiewerte und unter Gewinnmitnahmen im gesamten Halbleitersektor. Auch Siltronic und Aixtron wurden mit spürbaren Abschlägen taxiert.
Anleger sichern derzeit Gewinne bei Titeln ab, die zuvor stark vom KI-Infrastrukturausbau profitiert hatten. Der steigende Ölpreis erhöht zusätzlich die Risikoaversion am Markt. Schon zu Wochenbeginn zählte Infineon zu den schwächsten DAX-Werten, neben MTU Aero Engines, Fresenius, Vonovia und Rheinmetall. Am Tag zuvor gaben Infineon und Aixtron im Zuge der Sektorrotation weg von Technologiewerten rund 2,5 beziehungsweise 1,5 Prozent nach.
DAX zeigt sich robuster als der Chipsektor
Die Marktreaktion zeigt, wie sensibel Halbleiterwerte derzeit auf geopolitische Risiken reagieren. Die Schwäche asiatischer Technologiewerte schwappt auf den DAX über. Neben Infineon gerieten auch Aixtron und Elmos Semiconductor unter Druck. Selbst KI-nahe Werte wie Siemens Energy und Hochtief blieben von der Entwicklung nicht verschont.
Der DAX selbst zeigte sich widerstandsfähiger als der Chipsektor. Der Nahost-Konflikt ließ den Leitindex zunächst kalt. Nach schwachem Start berappelte er sich und schloss leicht im Plus bei rund 25.114 Punkten – ein Wochenplus von 0,2 Prozent. Der Start in den Dienstag fiel dennoch wieder schwächer aus, während die fortgesetzten gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten erneut im Fokus standen.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Der Abwärtstrend der vergangenen Wochen setzt sich fort. Auf Sicht von 30 Tagen steht bei Infineon ein Minus von 13,60 Prozent zu Buche. Die Aktie notiert damit 6,74 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 75,09 Euro.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro, das die Aktie Anfang Juni erreicht hatte, trennen Infineon inzwischen fast 22 Prozent. Der RSI von 42 signalisiert dabei noch keine überverkaufte Lage.
Die Jahresbilanz bleibt trotz der Schwächephase beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht für Infineon-Aktionäre ein Plus von 82,82 Prozent zu Buche, im Zwölfmonatsvergleich sind es 86,45 Prozent. Wie lange die aktuelle Korrektur anhält, hängt maßgeblich davon ab, ob sich der Nahost-Konflikt weiter zuspitzt und der Ölpreis seinen Anstieg fortsetzt.
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