Heidelberger Druckmaschinen treibt die Diversifikation in Richtung Energiespeicher voran. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft HD Advanced Technologies (HDAT) hat am 21. Juli eine Kooperation mit der PHENOGY AG angekündigt. Ziel ist der Aufbau einer europäischen Technologie- und Industrieplattform für Natrium-Ionen-Batteriespeicher – ein Markt, der bislang stark von außereuropäischen Lieferketten abhängt.
Fertigungsvertrag mit weitreichender Wertschöpfung
Im Kern der Vereinbarung übernimmt HDAT die komplette industrielle Fertigung der PHENOGY-Energiespeichersysteme. Das reicht von der Beschaffung über Produktion und Rollout bis zu Installation, Service und Wartung. Grundlage ist ein langfristiger Rahmenliefervertrag, nach dem HDAT Cabinets, Container und Systemprodukte für PHENOGY herstellt. Zunächst soll die Fertigung in Deutschland für den europäischen Markt anlaufen, perspektivisch ist eine Erweiterung in die USA für den nordamerikanischen Markt vorgesehen. Die Wertschöpfungskette – von Elektronikfertigung und Montage bis zu Installation und Wartung – soll dabei auf lokalen Lieferketten aufbauen.
Über den reinen Fertigungsvertrag hinaus schaffen beide Unternehmen die Voraussetzungen für ein Joint Venture. Dieses soll Natrium-Ionen-Batteriezellen entwickeln und produzieren, die auf der Zellchemie von PHENOGY sowie einem spezifischen Druckverfahren von Heidelberger Druckmaschinen basieren. Damit verknüpft der Konzern sein industrielles Kerngeschäft – Präzisionsfertigung und Druckprozesse – mit einer Zukunftstechnologie, die als Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien gehandelt wird. Strategisches Ziel ist ein schneller Markteintritt, Skalierbarkeit der Produktion und Unabhängigkeit von außereuropäischen Zulieferern.
Konzernumbau läuft parallel weiter
Die Speicher-Kooperation trifft auf einen Konzern, der sich ohnehin in einer breiteren Transformation befindet. Vor rund einem Monat hatte Heidelberger Druck die Integration des Lifecycle-Geschäfts sowie der globalen Vertriebs- und Servicegesellschaften der manroland sheetfed Gruppe planmäßig abgeschlossen. Die Übernahme soll dem Konzern zufolge rund 100 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz pro Jahr bringen und umfasst etwa 35 Länderorganisationen mit rund 600 Mitarbeitenden. Im selben Zug hatte Heidelberger Druck vereinbart, künftig auch die Produktion der POLAR-Maschinen zu übernehmen, da der bisherige Standort in Hofheim wegen eines Verkaufs nicht langfristig zur Verfügung steht. Seit der Ankündigung dieser POLAR-Übernahme hat sich der Aktienkurs bereits um 4,5 Prozent erholt.
Für Kontinuität an der Konzernspitze sorgt zudem eine im April verlängerte Personalie: Der Aufsichtsrat hatte die Verträge von Vorstandschef Jürgen Otto und Finanzvorstand David Schmedding vorzeitig verlängert. Otto bleibt bis Ende Juli 2029 im Amt, begrenzt durch die Altersgrenze, Schmedding bis Ende Juni 2031. Die Verlängerungen greifen seit Anfang Juli und signalisieren, dass der Umbau des Konzerns – von der Konsolidierung im Druckmaschinengeschäft bis zur neuen Batteriesparte – unter derselben Führung fortgesetzt wird.
Kurs zeigt sich vom Nachrichtenfluss unbeeindruckt bewegt
Am Freitag schloss die Aktie bei 1,46 Euro, ein Plus von 1,89 Prozent im Tagesverlauf. Über die vergangene Woche summierte sich der Kursgewinn auf 7,13 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Kombination aus Batterie-Kooperation und fortschreitender Konzernintegration honoriert. Vom langfristigen Trend ist das Papier dennoch entfernt: Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand aktuell 9,79 Prozent nach unten. Die jüngste Erholung markiert damit eher eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau als eine nachhaltige Trendwende. Ob die Natrium-Ionen-Plattform mit PHENOGY tatsächlich zu einem tragfähigen zweiten Standbein neben dem klassischen Druckmaschinengeschäft wird, dürfte sich erst zeigen, wenn aus der angekündigten Zusammenarbeit konkrete Umsatzbeiträge werden.
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