Hafnia hat gerade das zweitbeste Quartal seiner Geschichte hingelegt – und wechselt gleichzeitig an der Spitze. Ein Abgang, der besser nicht getimt sein könnte: Noch bevor CEO Mikael Skov am Montag sein letztes Arbeitstag hat, liefert er den Aktionären einen Rekord-Ausschüttungssatz und einen satten Gewinnsprung.
Der Tanker-Betreiber verdiente im zweiten Quartal 277,8 Millionen Dollar netto, nach 75,3 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte um 46 Prozent auf 505,7 Millionen Dollar, das Ergebnis je Aktie lag bei 0,56 Dollar und übertraf die Analystenschätzung von 0,55 Dollar. Angetrieben wurde das Ganze von einer durchschnittlichen Charterrate von 44.093 Dollar pro Tag – fast doppelt so viel wie im Vorjahr.
Maximale Ausschüttung durch niedrige Verschuldung
Der Aufsichtsrat beschloss eine Quartalsdividende von 0,5003 Dollar je Aktie, das entspricht einer Ausschüttungsquote von 90 Prozent – dem Maximalwert im gestaffelten Dividendenmodell des Unternehmens. Ausgelöst wird diese Stufe automatisch, sobald die Netto-Verschuldung im Verhältnis zum Portfoliowert unter 20 Prozent fällt.
Bei Hafnia lag dieser Wert zum Quartalsende bei nur noch 13,0 Prozent, nach 24,9 Prozent zum Jahresende 2025. Auf Basis der Dividenden im ersten Halbjahr ergibt sich eine annualisierte Rendite von rund 21 Prozent. Es ist bereits die 18. Ausschüttung in Folge.
Die Ursachen für die starke Marktlage liegen tief in der geopolitischen Gemengelage: Die Sperrung von Transportrouten im Nahen Osten, Engpässe am Panamakanal und ein massiver Abbau globaler Öllagerbestände haben die Transportwege verlängert und damit die Nachfrage nach Tankerkapazität erhöht. Hinzu kommt ein struktureller Effekt – viele als Produktentanker gebaute Schiffe wandern derzeit in den Rohöltransport ab, was den Markt für Hafnias Kerngeschäft zusätzlich verknappt.
Führungswechsel ohne Strategieänderung
Zum 1. September übernimmt Søren Steenberg Jensen, seit Gründung des Unternehmens im Jahr 2010 als Leiter des Asset Managements tätig, das Ruder von Skov. Der scheidende CEO wechselt vorbehaltlich der Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung am 23. September in den Verwaltungsrat. Das Management betonte, es handle sich um eine Kontinuität der bisherigen Strategie, keine Neuausrichtung.
Für das dritte Quartal zeichnet sich bereits eine Abschwächung ab: 80 Prozent der Fahrttage sind zu 30.716 Dollar pro Tag abgesichert – deutlich unter dem Q2-Niveau. Zusätzlich rechnet Hafnia mit rund 225 Tagen Ausfallzeit durch geplante Werftaufenthalte im dritten Quartal.
Ob der Zyklus damit seinen Höhepunkt bereits hinter sich hat, ließ das Management offen – die Marktlage bleibe angesichts der vielen geopolitischen Variablen kaum vorhersehbar.
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