Vier Wochen in Folge hatte Gold zugelegt. Dann kam diese Woche, und mit ihr Brent über 105 Dollar, eine halb gesperrte Meerenge und ein Minus von 3,5 Prozent. Gegen 09.48 Uhr MESZ stand der Spot-Goldpreis bei 4.689,78 Dollar pro Unze, ein Tagesrückgang von 0,1 Prozent. Die US-Gold-Futures für die Juni-Lieferung verloren 1 Prozent auf 4.676,50 Dollar.
Der Haken am Inflationsschutz
Gold gilt als Inflationsschutz. Das stimmt, solange Inflation nicht von steigenden Zinsen begleitet wird. Genau das ist das Problem gerade. Rohöl ist in dieser Woche um über 17 Prozent gestiegen, weil die Straße von Hormus trotz verlängertem Waffenstillstand weitgehend geschlossen bleibt. Höhere Transportkosten, höhere Produktionskosten, höhere Inflation, und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen länger oben bleiben. Zinstragende Anlagen werden attraktiver, Goldbarren nicht.
Kelvin Wong, Senior Market Analyst bei OANDA, bringt es auf den Punkt: „Solange das Risiko einer längeren Schließung der Meerenge besteht, wird Öl weiterhin auf hohem Niveau gehandelt, was die Goldpreise unter Druck setzt.“
Gold/USD Chart
Zwischen zwei gleitenden Durchschnitten gefangen
Wong sieht Gold technisch in einer Seitwärtsspanne: oben der gleitende 50-Tage-Durchschnitt bei rund 4.900 Dollar, unten der 20-Tage-Durchschnitt bei 4.645 Dollar. Gerade testet das Edelmetall die untere Grenze. Was als nächstes passiert, hängt laut Wong davon ab, „was im Nahen Osten passiert“.
Das ist keine besonders präzise Prognose. Aber sie ist ehrlich.
Dollar stark, Renditen hoch, Gold schwach
Der US-Dollar legte in dieser Woche um 0,8 Prozent zu, was Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer macht. Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen stiegen um über 2 Prozent, was die Opportunitätskosten für das Halten von unverzinstem Gold weiter erhöht. Auch die anderen Edelmetalle gaben nach: Silber verlor 1 Prozent auf 74,69 Dollar, Platin 1,1 Prozent auf 1.984,60 Dollar, Palladium 0,3 Prozent auf 1.464,02 Dollar.
Trump sagte derweil, er habe es mit einem Iran-Deal nicht eilig. Falls Teheran keinen wolle, werde er es „militärisch beenden“. Die Straße von Hormus bleibt also das Nadelöhr dieser Geschichte, und Gold bleibt vorerst der Leidtragende.
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