Notenbanken weltweit horten Gold in nie dagewesenem Ausmaß. Im Juli überschritten die offiziellen Goldbestände erstmals die Marke von 36.600 Tonnen. Das strukturelle Signal trifft auf ein kurzfristig fragiles Marktumfeld: Gold nähert sich der 4.100-Dollar-Marke, während Anleger auf die Fed-Sitzung am Mittwoch warten.
Notenbanken halten ein Sechstel allen je geförderten Golds
Die Zentralbanken kommen inzwischen gemeinsam auf 36.664,5 Tonnen Gold. Das sind 16,7 Prozent der geschätzten 219.890 Tonnen, die in der gesamten Menschheitsgeschichte gefördert wurden. Beim aktuellen Goldpreis entspricht das einem Marktwert von rund 4,78 Billionen US-Dollar.
Die USA bleiben mit 8.133 Tonnen der größte Halter. Das sind 22,2 Prozent aller Zentralbankreserven weltweit, mit einem geschätzten Wert von 1,06 Billionen Dollar.
Unter den aktiven Käufern sticht Polen heraus. Das Land kaufte 2025 insgesamt 102 Tonnen Gold und legte in den ersten Monaten 2026 weitere 63,6 Tonnen drauf. Auch global bleibt das Bild robust: Laut World Gold Council kauften Notenbanken im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen, im Mai kamen weitere 41 Tonnen hinzu. Neben Polen zählen Usbekistan und China zu den größten Käufern. Reservemanager diversifizieren damit weiter weg vom Dollar.
Fed-Sitzung und Iran-Entspannung treiben den Tagespreis
Kurzfristig bestimmen andere Faktoren die Bewegung. Die USA setzten ihre Angriffe auf den Iran die zweite Nacht in Folge aus. Zuvor hatte das US-Militär 13 Nächte lang iranische Stellungen bombardiert. Teheran verzichtet nach eigenen Angaben vorerst auf Vergeltung.
Die Entspannung drückt die Ölpreise deutlich. Das dämpft Inflationssorgen und nimmt der Fed Druck, ihre Geldpolitik aggressiver zu straffen. Am Terminmarkt preisen Investoren aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent für eine Zinserhöhung diese Woche ein, für September liegt sie bei rund 80 Prozent.
Ein schwächerer Dollar und sinkende Realrenditen liefern zusätzlichen Rückenwind. Jede Abwertung der Reservewährung erhöht die Kaufkraft internationaler Käufer. Sinkende Realrenditen mindern zugleich die Attraktivität festverzinslicher Anlagen — Investoren weichen zurück auf Gold und Silber aus.
Aktuell notiert Gold bei 4.073,40 Dollar, ein Plus von 1,54 Prozent auf Wochensicht. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.232,96 Dollar fehlen aber noch 3,77 Prozent. Der sechsmonatige Abwärtstrend gilt erst bei einem Durchbruch der 4.200-Dollar-Schwelle als beendet.
Ausblick
Diese Woche stehen mehrere Termine an. Am Mittwoch entscheidet die Fed über die Zinsen, dazu kommen Daten zu Auftragseingängen für langlebige Wirtschaftsgüter und der Dallas-Fed-Index. Zusätzlich laufen die Verfallstermine bei Gold und Silber.
Für den weiteren Kursverlauf zählt neben der Fed-Entscheidung vor allem die Entwicklung im Iran-Konflikt. Sollte sich die Entspannung fortsetzen, dürfte das die Ölpreise und damit die Inflationssorgen weiter dämpfen. Der historische Rekordbestand der Notenbanken liefert derweil einen strukturellen Boden, der von den Tagesausschlägen unabhängig bleibt.
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