Gold: Zentralbanken knacken 36.600-Tonnen-Marke

Notenbanken weltweit halten mit 36.664 Tonnen so viel Gold wie nie zuvor. Polen treibt die Käufe trotz hoher Preise weiter voran.

Auf einen Blick:
  • Globale Goldreserven erreichen Rekordniveau
  • Polen kauft 2026 bereits 63,6 Tonnen
  • Kaufdisziplin trotz historisch hoher Preise
  • Uneinheitliche Prognosen von Analysten und Anlegern

Der Goldpreis bewegt sich am Wochenende kaum vom Fleck. Die eigentliche Geschichte spielt sich abseits des Tickers ab: Notenbanken weltweit horten inzwischen mehr Gold als je zuvor in der Geschichte.

Notenbanken knacken historische Marke

Der Marktwert der globalen Notenbank-Reserven liegt aktuell bei rund 4,78 Billionen US-Dollar. Zusammen halten die Zentralbanken 36.664,5 Tonnen Gold. Im Juli überschritten die offiziellen Bestände damit erstmals die historische Marke von 36.600 Tonnen.

Diese Menge macht 16,7 Prozent des gesamten jemals geförderten Goldes aus. Geschätzte 219.890 Tonnen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte gefördert. Auf jeden Menschen weltweit entfallen damit rund 4,42 Gramm Gold, ein Gegenwert von etwa 576 US-Dollar.

Die USA halten mit 8.133 Tonnen weiterhin die größten Reserven der Welt. Der Marktwert liegt bei rund 1,06 Billionen US-Dollar. Das entspricht 22,2 Prozent aller Zentralbank-Goldreserven.

Besonders aktiv zeigt sich derzeit Polen. Das Land kaufte 2025 insgesamt 102 Tonnen Gold. Allein in den ersten Monaten 2026 kamen weitere 63,6 Tonnen hinzu, ein Wert von rund 21,6 Milliarden US-Dollar.

Kaufdisziplin trotz Rekordpreisen

Bemerkenswert: Die Notenbanken rücken auch bei historisch hohen Preisen nicht von ihrer Käuferrolle ab. Nach Angaben von BestBrokers wurden 2026 bislang 224,2 Tonnen Gold gekauft und 221,4 Tonnen verkauft. Daraus ergibt sich ein Nettokauf von rund drei Tonnen.

Der leitende Datenanalyst bei BestBrokers ordnet die Entwicklung als strukturellen Wandel ein: „In den vergangenen Jahren haben die Zentralbanken ihre Goldbestände kontinuierlich erhöht und ihre Käufe selbst dann fortgesetzt, als der Goldpreis historische Höchststände erreichte.“

Diese Einschätzung deckt sich mit Umfragedaten des World Gold Council. 89 Prozent der befragten Zentralbanken rechnen im kommenden Jahr mit weiteren Zukäufen. Allein im Mai kauften Notenbanken netto 41 Tonnen Gold hinzu.

Kursbild bleibt gespalten

Der Goldpreis schloss den Handel am Freitag bei 4.055,70 US-Dollar je Feinunze. Damit liegt der Kurs nur 3,96 Prozent über dem 52-Wochen-Tief, gleichzeitig aber 10,71 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 44,7 zeigt einen Markt, der weder überkauft noch überverkauft ist.

Unter Wall-Street-Analysten herrscht Uneinigkeit. 18 Experten wurden befragt: Jeweils sieben, 39 Prozent, erwarten fallende Kurse oder eine Seitwärtsbewegung in der kommenden Woche.

Privatanleger zeigen sich deutlich optimistischer. 147 Teilnehmer, 59 Prozent, rechnen mit steigenden Preisen, nur 19 Prozent erwarten einen Rückgang. Die Marke von 4.000 US-Dollar hat als Unterstützung zuletzt erneut gehalten.

In der kommenden Woche steht die geldpolitische Sitzung der Federal Reserve im Mittelpunkt. Ergänzend liefern neue US-Konjunkturdaten Hinweise auf den weiteren Kurs der Notenbank. Beide Termine dürften mitentscheiden, ob die 4.000-Dollar-Marke als Boden hält.

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