Der Goldpreis gerät zur Wochenmitte kurzzeitig unter Druck. Auslöser ist der US-Inflationsbericht PCE, der hartnäckigen Preisdruck zeigt: Die Kernrate verharrt bei 3,3 Prozent, die Gesamtrate bei 3,7 Prozent – deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent. Der Dollar-Index legte daraufhin zu, was Gold als zinsloses Asset unattraktiver macht.
Spot-Gold notiert damit unter seinem jüngsten Niveau, hält sich aber oberhalb der 50-, 100- und 200-Tage-Durchschnittslinien. Genau dieser technische Rahmen sorgt dafür, dass der übergeordnete Aufwärtstrend trotz der Delle intakt bleibt. Auf Wochensicht steht weiterhin ein Plus von rund 2,9 Prozent, auf Monatssicht sogar von fast 15 Prozent zu Buche.
Staatsanleihen-Käufe als Kurstreiber
Hinter der eigentlichen Rally steckt ein anderes Thema als die Tagesdaten: die geplante Ausweitung der US-Anleiherückkäufe. Finanzminister Scott Bessent will das Volumen der Rückkaufgeschäfte des Schatzamts von bislang 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden Dollar verdoppeln. Deutsche-Bank-Analyst Michael Hsueh sieht darin das Potenzial, den Goldpreis über sein bisheriges Kursziel von 4.800 Dollar je Feinunze zu treiben.
Die Ankündigung nährt Zweifel an der Dollar-Stabilität und lenkt Kapital in Sachwerte. Seit Ende Juli, als eine Feinunze noch rund 4.000 Dollar kostete, hat sich der Preis auf über 4.600 Dollar verteuert – ein Anstieg von rund 15 Prozent in wenigen Wochen. Silber zieht im Windschatten mit, steht mit knapp 69 Dollar je Feinunze kurz vor seiner eigenen 200-Tage-Linie bei 72,42 Dollar.
Dalios Warnung vor der Schuldenlast
Bridgewater-Gründer Ray Dalio bringt zusätzlichen Rückenwind. In einem LinkedIn-Beitrag warnt er vor einem Wendepunkt in der US-Finanzlage: Der Schuldendienst könnte nach seiner Rechnung auf rund 11 Billionen Dollar zulaufen, umgerechnet etwa 200 Prozent der jährlichen Staatseinnahmen. Er empfiehlt Anlegern, Anleihen unterzugewichten und zwischen 10 und 15 Prozent des Portfolios in Gold zu halten, ergänzt um eine Beimischung Bitcoin.
Der Chef der Goldplattform Vaulted, David McAlvany, ordnet die Entwicklung ähnlich ein: Das traditionelle System, in dem Handelspartner ihre Dollarüberschüsse in US-Staatsanleihen zurückführen, gerate ins Wanken. Er erwartet daraus keine akute Krise, sondern strukturell höhere Zinsen über die kommenden drei bis sieben Jahre – ein Zeithorizont, der sich mit Dalios eigener Einschätzung deckt.
Zwei Termine dürften zeigen, wie ernst die Märkte die Schuldendebatte nehmen: Am 9. September starten die größer angelegten Anleiherückkäufe, am 4. November folgt mit der nächsten Refinanzierungsankündigung des US-Schatzamts die nächste Gelegenheit für neue Details zur Strategie. Bis dahin dürfte der Goldpreis zwischen kurzfristigen Zinserwartungen und der langfristigen Schulden-Debatte hin- und herpendeln.
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