Gold: Warsh-Rede in Sintra beflügelt Kurs

Fed-Chef Kevin Warsh signalisiert nachlassende Inflation, Gold und Silber legen zu. Charttechnik bleibt angeschlagen.

Auf einen Blick:
  • Warsh spricht erstmals ausführlich
  • Inflationserwartungen leicht gesunken
  • Gold und Silber legen zu
  • Charttechnik bleibt angeschlagen

Kevin Warsh hat seinen ersten großen internationalen Auftritt hinter sich. Beim EZB-Forum in Sintra sprach der seit Mai amtierende Fed-Chef am Mittwoch erstmals ausführlich über die US-Geldpolitik. Der Goldpreis reagierte prompt – und uneinheitlich.

Entspannungssignale bei der Inflation

Warsh sieht eine leichte Entspannung bei den Inflationserwartungen. Diese seien in seinen ersten vier Amtswochen gesunken, sagte er in Sintra. Auch die Inflationsrisiken hätten zuletzt nachgelassen.

Eine höhere Inflationstoleranz schließt er dennoch aus. Wer auf eine Fed hoffe, die sich mit über zwei Prozent Inflation zufriedengibt, werde enttäuscht. Die Preise seien weiterhin zu hoch, so Warsh.

Konkrete Zinssignale gab er nicht. Die US-Notenbanker entscheiden in rund vier Wochen über eine mögliche Zinserhöhung. Auf die Frage nach der Richtung antwortete Warsh nur: „When we get into that room and shut the door we’re going to have a good debate.“ Eine klare Tendenz verriet er damit nicht.

Gold und Silber legen zu

Die Marktreaktion fiel unterschiedlich aus. An den Aktienmärkten sorgten die Aussagen für gemischte Stimmung. Gold und Silber legten am Nachmittag hingegen deutlich zu – trotz des angeschlagenen Chartbilds.

Ob die Erholung anhält, bleibt offen. Deutlichere Signale gegen eine US-Zinserhöhung könnten Gold und Silber weiter stützen. Kurzfristig hängt viel vom Iran-Konflikt und von den zuletzt gefallenen Energiepreisen ab.

Warsh nannte einen weiteren Preistreiber: die Investitionen rund um Künstliche Intelligenz. Energiepreise seien nicht der einzige Inflationsfaktor, so der Fed-Chef. Der „KI-Schock“ treibe einen Boom bei Investitionsausgaben an – ob das inflationär wirke, müssten die Notenbanker selbst entscheiden.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Trotz der kurzfristigen Erholung bleibt das technische Bild belastet. Die Feinunze schloss am Mittwoch bei 4.091,60 US-Dollar. Über sieben Tage steht dennoch ein Plus von 1,24 Prozent zu Buche.

Der Blick auf die längere Frist zeigt ein anderes Bild. Auf Monatssicht fällt der Preis um 9,43 Prozent, seit Jahresbeginn um 5,76 Prozent. Vom Rekordhoch bei 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar trennen Gold aktuell 27,28 Prozent.

Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar aus dem Oktober 2025 sind es dagegen nur noch 4,88 Prozent. Der Kurs notiert damit näher am Jahrestief als am Jahreshoch.

Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren Schwäche. Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 4.438,04 US-Dollar, der 100-Tage-Schnitt bei 4.664,78 US-Dollar. Beide liegen klar über dem aktuellen Kurs.

Der RSI steht bei 39,4 Punkten. Das deutet auf eine leichte Verkaufsneigung hin, ohne dass der Markt bereits überverkauft wäre. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 26,78 Prozent – ein Zeichen für die Nervosität am Markt.

Rückblick: Bruch der 4.000-Dollar-Marke

Der aktuelle Kursverlauf folgt auf einen früheren Einschnitt. Bereits Ende Juni war Gold erstmals seit Monaten unter die Marke von 4.000 Dollar gefallen. Ein wiedererstarkter US-Dollar und die Aussicht auf höhere Zinsen drückten das Edelmetall am 24. und 25. Juni erstmals seit November unter diese Marke.

Der Fed-Zinsentscheid vom 17. Juni brachte die nächste Verkaufswelle. Der Schlusskurs von 3.999 US-Dollar markierte den ersten Tagesabschluss unterhalb der 4.000-Dollar-Marke seit November 2025.

Dieser frühere Kursrutsch und Warshs Auftritt in Sintra sind zwei getrennte Ereignisse. Der Bruch der 4.000-Dollar-Marke fiel auf Ende Juni, der international beachtete Auftritt folgte erst am 1. Juli.

Ausblick: Notenbank-Kommunikation bleibt Taktgeber

Für die kommenden Wochen bleibt die Fed-Kommunikation entscheidend. Warsh hält den Leitzins aktuell bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Das deutet auf eine Phase der Datensammlung hin, gestützt auf seine fünfjährige Erfahrung als Fed-Gouverneur während der Finanzkrise.

Für den Goldmarkt bleiben Notenbank-Rhetorik, Dollarentwicklung und die Lage im Nahen Osten entscheidend. Der nächste Zinsentscheid der Fed steht laut Warshs eigenen Angaben in rund vier Wochen an.

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