Der Goldpreis gerät heute unter Druck: Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen kommt es zur Konsolidierung. Der Spotpreis notiert bei 4.640,43 US-Dollar je Feinunze, ein Rückgang von 1,5 Prozent gegenüber dem Vortag, als noch 4.709,00 Dollar erreicht wurden. Auslöser der Rally war zuletzt aber weniger die Geldpolitik selbst als eine ungewöhnliche fiskalpolitische Maßnahme der US-Regierung.
Das US-Finanzministerium hat sein Programm zum Rückkauf eigener Anleihen verdoppelt: Ab dem 9. September und bis zum 4. November – also bis kurz vor die Zwischenwahlen – sollen pro Transaktion bis zu vier Milliarden Dollar eingesetzt werden, finanziert über kurzfristige Schulden.
Finanzminister Bessent hatte das erweiterte Programm bereits angekündigt, laut CNBC erwägt das Ministerium zudem, das eine Billion Dollar schwere General Account für weitere Rückkäufe zu nutzen.
Der Schritt soll den Anleihemarkt stabilisieren, birgt nach Einschätzung von Marktbeobachtern aber das Risiko, die Reputation der US-Fiskalpolitik zu untergraben. Gold und Bitcoin profitierten von dieser Entwicklung deutlich, während Aktien aus dem KI-Sektor unter Druck gerieten.
Warsh-Rede in Jackson Hole als nächster Prüfstein
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht nun die erste große Rede von Fed-Chef Kevin Warsh, der von Donald Trump ernannt wurde. Sie soll am Freitag beim Jackson-Hole-Symposium gehalten werden, das unter dem Leitthema „Financial Innovation“ vom 27. bis 29. August stattfindet.
Anleihemärkte reagieren nervös auf Inflationssorgen und die Steuer- und Ausgabenpläne der Regierung Trump – die 30-jährige Treasury-Rendite hatte zuletzt einen der schlechtesten Ausverkäufe seit Jahren erlebt. Warsh, der eigentlich für weniger Forward Guidance eintritt, dürfte gezwungen sein, seine geldpolitische Kommunikationsphilosophie näher zu erläutern.
Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September derzeit nur bei 38 Prozent. Vor der Rede stehen zudem die US-PCE-Inflationsdaten für Juli am Mittwoch sowie BIP-Zahlen für das zweite Quartal an – beide Termine könnten die Richtung am Goldmarkt kurzfristig mitbestimmen.
Zentralbanken und Anleger bleiben strukturell auf der Käuferseite
Trotz der Verschnaufpause bleibt das strukturelle Bild für Gold laut mehreren Häusern konstruktiv. Morgan Stanley hält einen Anstieg über 5.000 Dollar je Unze im Jahr 2027 für möglich, nachdem das eigene Kursziel für das vierte Quartal bereits erreicht wurde.
Zentralbanken kauften im zweiten Quartal 2026 zusammen 289 Tonnen Gold, Polen alleine stockte seine Reserven im laufenden Jahr um 82 Tonnen auf. Auch Chinas Netto-Goldimporte über Hongkong legten im Juli gegenüber dem Vormonat um 11 Prozent zu. Gold-Investmentfonds verzeichneten im Juli und August zusammen rund 70 Tonnen an Zuflüssen.
Der aktuelle Goldpreis liegt trotz des Tagesrückgangs weiterhin rund 38 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3.351,10 Dollar, das im August erreicht wurde – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Schwäche aus Sicht vieler Anleger eher als technische Pause denn als Trendwende gilt.
Zum 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 Dollar aus dem Januar besteht dagegen weiterhin ein deutlicher Abstand von 17 Prozent. Die kommenden Tage mit PCE-Daten und der Warsh-Rede dürften darüber entscheiden, ob der Goldmarkt seinen Aufwärtstrend rasch wieder aufnimmt oder ob die Konsolidierung anhält.
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