Kevin Warsh hat gestern die Erwartungen einer Zinserhöhung im Oktober gedämpft, ohne eine Entscheidung vorwegzunehmen. Medienberichten zufolge wollte sich der Fed-Chef nicht auf den Kurs der anstehenden Sitzungen festlegen. Für Gold bedeutet das eine Entlastung von zuvor gestiegenen Zinssorgen, aber noch keine klare geldpolitische Richtung. Gleichzeitig zeigen neue Positionsdaten eine zurückhaltendere Ausrichtung spekulativer Anleger.
Warsh lässt den nächsten Schritt offen
Nach dem Rückgang zur Wochenmitte stabilisierte sich das Edelmetall. Laut Reuters führten Sorgen über hohe Investitionen in künstliche Intelligenz zuvor zu Umschichtungen aus Aktien in Staatsanleihen. Die damit verbundenen sinkenden Renditen kamen Gold zugute.
Eine nachhaltige Wende lässt sich daraus noch nicht ableiten. Der Freitagsschluss lag bei 4.169,08 USD je Feinunze und markierte keinen klaren Befreiungsschlag. Warshs Äußerungen nahmen den Zinserhöhungserwartungen zwar etwas Schärfe. Eine Festlegung auf unveränderte Zinsen enthielten sie jedoch nicht.
Spekulative Positionierung wird zurückhaltender
Die gestern veröffentlichten Daten zur Positionierung am Goldterminmarkt zeigen ebenfalls Zurückhaltung. Die Anlegergruppe „Managed Money“ hielt zum Stichtag am Dienstag eine Netto-Kaufposition von 107.089 Kontrakten. Das waren 3.898 Kontrakte weniger als im vorangegangenen Bericht.
Damit blieb diese Anlegergruppe netto auf steigende Goldpreise ausgerichtet, allerdings weniger ausgeprägt als zuvor. Die Daten beschreiben die Positionierung zum Erhebungsstichtag. Sie bilden deshalb nicht bereits die vollständige Reaktion auf Warshs spätere Äußerungen ab.
Dieser Unterschied ist für die Einordnung wichtig: Die jüngste Entlastung durch sinkende Renditen trifft auf einen Markt, in dem spekulative Anleger ihre positive Ausrichtung zuvor reduziert hatten. Von einer bereits bestätigten Rückkehr stärkerer Zuversicht kann deshalb nicht gesprochen werden.
Zinsentscheidung bleibt der Terminanker
Die nächste Fed-Sitzung findet am 27. und 28. Oktober statt. Für den 28. Oktober sind die Zinsentscheidung und die anschließende Pressekonferenz vorgesehen.
Bis dahin bleibt die Unterscheidung zwischen abgekühlten Zinserhöhungserwartungen und einer tatsächlichen geldpolitischen Entscheidung entscheidend. Ob aus der Stabilisierung des Goldpreises mehr wird, hängt wesentlich davon ab, welchen Kurs die Fed tatsächlich einschlägt.
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