Krieg im Nahen Osten, sinkender Goldpreis: Diese Kombination wirkt paradox. Eigentlich gilt Gold als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Zuletzt setzten sich jedoch Zinssorgen und steigende Anleiherenditen durch. Das Edelmetall fiel unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar pro Feinunze.
Starke Konjunkturdaten schüren Zinsängste
Der Philadelphia Fed Manufacturing Index lieferte am Donnerstag eine Überraschung. Der Wert stieg deutlich auf 41,4 Punkte. Das signalisiert eine robuste US-Konjunktur.
Die Reaktion am Anleihemarkt folgte prompt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf rund 4,58 Prozent. Für Gold ist das ein Problem: Das Metall zahlt keine Zinsen und verliert bei steigenden Renditen an Attraktivität.
Anleger stuften die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fed-Zinserhöhung im Juli kurzzeitig höher ein. Das stützte den Dollar zusätzlich. Gold geriet doppelt unter Druck.
Nahost-Eskalation, aber kein Fluchtgeld in Gold
Parallel dazu spitzt sich die Lage im Nahen Osten dramatisch zu. Die USA verhängten laut Berichten eine Seeblockade gegen den Iran. Zwei Angriffswellen trafen iranische Küstenverteidigung und Raketenstellungen.
Ein Angriff traf zudem einen Öltanker nahe der Insel Kharg. Der Iran reagierte mit Gegenschlägen auf US-Stützpunkte in Jordanien und Kuwait.
Normalerweise würde eine solche Eskalation Kapital in Gold treiben. Diesmal überwog aber die Sorge um den Ölpreis. Brent-Öl kletterte auf über 86 US-Dollar pro Barrel.
Steigende Energiepreise nähren Inflationsängste. Investoren befürchten, dass die Fed deshalb länger an hohen Zinsen festhält. Diese Angst wiegt aktuell schwerer als das Sicherheitsbedürfnis der Anleger.
Charttechnik zeigt tiefe Spuren
Gold rutschte am späten Donnerstagabend bis auf 3.976 US-Dollar ab. Am Freitagmorgen gegen 08:15 Uhr erreichte die Feinunze kurz wieder die 4.000-Dollar-Marke.
Die Erholung hielt nicht lange. Im Vormittagshandel pendelte der Kurs zwischen 3.983 und 3.985 US-Dollar.
Der Bruch der 4.000-Dollar-Marke wiegt charttechnisch schwer. Auf Monatssicht steht bei Gold ein Minus von rund 7,25 Prozent.
Seit dem Rekordhoch von etwa 5.626 US-Dollar im Januar 2026 hat das Metall bereits knapp 28 Prozent verloren.
Datenflut am Nachmittag
Am Nachmittag stehen weitere US-Daten an. Veröffentlicht werden die Industrieproduktion für Juni und der Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan.
Diese Zahlen zeigen, ob die US-Wirtschaft wirklich so robust ist wie der Philadelphia-Fed-Index vermuten lässt. Am Freitagabend folgt zusätzlich der CFTC-Report zu den Positionen der Terminmarkt-Händler.
Der Bericht liefert ein wichtiges Signal. Er zeigt, wie stark institutionelle Anleger aktuell auf Gold-Futures setzen und ob sie die aktuellen Kurse für neue Käufe nutzen.
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