Gold: Sprung auf 4.260 Dollar durchbricht Spanne

Gold überspringt die 4.260-Dollar-Marke dank schwächerer Zinserwartungen. Geopolitische Entspannung und Arbeitsmarktdaten prägen die Lage.

Auf einen Blick:
  • Goldpreis springt auf 4.260 Dollar
  • ADP-Bericht als Zinsindikator erwartet
  • Hormus-Deal senkt Ölpreis und Inflation
  • Chinas Gold-ETFs verzeichnen Rekordabflüsse

Wochenlang pendelte Gold zwischen 4.000 und 4.100 Dollar je Feinunze. Am Mittwoch durchbricht der Preis diese Spanne deutlich. Die Feinunze springt auf 4.260,30 US-Dollar, ein Plus von 3,05 Prozent gegenüber dem Dienstagsschluss bei 4.134,20 Dollar. Damit liegt Gold klar über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.180 Dollar.

Der Ausbruch fällt in eine Woche mit gleich mehreren Weichenstellungen: US-Arbeitsmarktdaten, mögliche Fortschritte am Golf und eine Notenbank, die zwischen Lockerungssignalen und Warnungen schwankt.

ADP-Bericht als Testlauf für Freitag

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der US-Arbeitsmarkt. Investoren warten auf den ADP-Bericht zu den privaten Beschäftigtenzahlen im Juli, der am Nachmittag erscheint. Der Bericht gilt als Frühindikator für die eigentliche Schlüsselzahl der Woche.

Der Konsens für die Juli-Daten liegt bei 70.000 neuen Stellen, nach zuvor 98.000. Die Prognose deutet auf eine Abkühlung gegenüber dem Vormonat hin. Schwächere Arbeitsmarktdaten würden die Erwartung sinkender Fed-Zinsen stützen — und damit auch Gold.

Diplomatie am Golf drückt den Ölpreis

Parallel zu den Konjunkturdaten bleibt die Lage im Nahen Osten ein Preistreiber. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, ein Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus könne noch diese Woche zustande kommen. Ein Sprecher des katarischen Außenministeriums bestätigte, die Verhandlungen liefen weiter. Deeskalation und Wiedereröffnung der Wasserstraße hätten oberste Priorität.

Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf die Zinserwartungen aus. Die Märkte preisen aktuell eine 55-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September ein. Einen Tag zuvor hatte dieser Wert noch bei rund 65 Prozent gelegen, laut dem FedWatch-Tool der CME Group.

Der Mechanismus dahinter ist einfach. Günstigeres Öl senkt die energiegetriebene Inflation. Das reduziert den Druck auf die Fed, die Zinsen anzuheben. Sinken die Zinserwartungen, werden Realrenditen unattraktiver — und Gold gewinnt gegenüber Staatsanleihen an Reiz.

Fed warnt vor verfrühter Entwarnung

Trotz der positiven geopolitischen Signale mahnt die Notenbank zur Vorsicht. New Yorks Fed-Präsident John Williams sagte, die Inflation tendiere zwar allmählich nach unten. Die Währungshüter würden aber nicht zögern, die Zinsen zu erhöhen, sollte der Preisdruck anhalten.

Drei Notenbanker hatten bei der Zinsentscheidung der Vorwoche abweichend gestimmt. Sie bekräftigten nun erneut, dass weiteres geldpolitisches Straffen nötig sei.

China: Rekordabfluss trifft auf robuste Halbjahresbilanz

Die institutionelle Nachfrage aus Asien bleibt ein wichtiger struktureller Faktor für Gold — allerdings mit einer klaren Trendwende im Juni. Chinesische Anleger zogen im vergangenen Monat ein Rekordvolumen von 2,91 Milliarden US-Dollar aus heimischen Gold-ETFs ab. Der Huaan Yifu Gold ETF verlor dabei rund 1,14 Milliarden US-Dollar. Die Abflüsse in ganz Asien erreichten im Juni 2,3 Milliarden US-Dollar, den schwächsten Einzelmonat der Region seit Beginn der Aufzeichnungen.

Hinter der Entwicklung steckt eine Verschiebung hin zu Aktien. Eine Rally an Chinas Börsen und ein stärkerer Yuan minderten die Attraktivität des sicheren Hafens Gold. Als Auslöser gilt zudem die Kommunikation der US-Notenbank: Aussagen des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh bei der Sitzung im Vormonat wurden als hawkish gewertet und trieben Realrenditen sowie Dollar nach oben.

Die Halbjahresbilanz bleibt für China trotzdem positiv. Asiatische Gold-ETFs verzeichneten im ersten Halbjahr einen Nettozufluss von 12 Milliarden US-Dollar — das stärkste erste Halbjahr der Region seit Beginn der Aufzeichnungen.

Chinas Notenbank bleibt derweil ein verlässlicher Käufer. Sie kaufte im Juni 15 Tonnen Gold, die größte Monatsaufstockung seit Oktober 2023. Die offiziellen Reserven steigen damit seit 20 Monaten in Folge, die längste Serie der Aufzeichnungsgeschichte, und liegen inzwischen bei 2.346 Tonnen.

Am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht für Juli. Er gilt als nächster entscheidender Termin für die Zinserwartungen im September. Parallel dürften Nachrichten aus den Hormuz-Verhandlungen Öl und Gold auch im Tagesverlauf weiter bewegen.

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