Die Unsicherheit über den nächsten Zinsschritt der US-Notenbank bleibt für Gold der zentrale Gegenwind. Reuters beschrieb am Freitag eine Woche wechselnder Erwartungen: Höhere Inflations- und Erzeugerpreise nährten zunächst Zinserhöhungssorgen, bevor vorsichtige Fed-Signale diese teilweise dämpften. Damit richtet sich der Blick auf die Zinsentscheidung am 28. Oktober. Kräftige Goldkäufe allein reichten zuletzt nicht aus, um den geldpolitischen Druck auszugleichen.
Die Zinserwartungen geben den Takt vor
Entscheidend ist derzeit nicht nur die Höhe der US-Inflation, sondern die erwartete Reaktion der Notenbank. Steigende Renditen und ein festerer Dollar belasteten Gold. Umgekehrt verschafften nachlassende Zinssorgen dem Edelmetall zwischenzeitlich Luft.
So führte Reuters die Erholung am Donnerstag auf einen schwächeren US-Dollar und niedrigere US-Staatsanleiherenditen zurück. Trotz der höheren Inflation blieben die Erwartungen einer Zinserhöhung im Oktober zu diesem Zeitpunkt gedämpft. Der Bericht vom Freitag stellte jedoch die anhaltende Unklarheit über den weiteren Fed-Kurs in den Mittelpunkt.
Für Anleger ergibt sich daraus ein Markt mit gegenläufigen Impulsen. Die Nachfrage nach Gold bleibt eine Stütze, während die Neubewertung des US-Zinspfads kurzfristig belastet. Eine zwischenzeitliche Entspannung bei Dollar und Renditen ist deshalb noch kein Beleg für eine dauerhafte Wende.
Terminspekulanten reduzieren ihre Positionen
Auch die Positionierung am Terminmarkt spricht für Zurückhaltung. Der am Freitag veröffentlichte CFTC-Bericht wies für die Kategorie „Managed Money“ zum Stichtag 13. Oktober eine Netto-Longposition von 107.089 Kontrakten aus. Gegenüber dem vorherigen Bericht sank sie um 3.898 Kontrakte.
Damit reduzierten diese Marktteilnehmer ihren Überhang an Kaufpositionen. Das passt zu einem Umfeld, in dem die geldpolitische Richtung offenbleibt. Einen vollständigen Rückzug aus steigenden Goldpreisen zeigen die weiterhin positiven Netto-Longpositionen allerdings nicht.
Auf der anderen Seite meldete der World Gold Council für September Zuflüsse von 10 Mrd. US-Dollar in weltweit physisch besicherte Gold-ETFs. Die Bestände stiegen um 67 Tonnen auf den Rekordwert von 4.256 Tonnen.
Die gegenläufige Entwicklung ist für die Einordnung wichtig: Anleger bauten ihre Bestände über börsengehandelte Goldprodukte aus, während spekulative Terminpositionen zurückgingen. Der World Gold Council verknüpfte den Preisrückgang im September zugleich mit höheren US-Renditen und einem stärkeren Dollar. Zuflüsse verhinderten den Rückgang also nicht.
Erholung bleibt an Bedingungen geknüpft
Eine am 12. Oktober veröffentlichte Prognose der Bank of America verdeutlicht diese Abhängigkeit. Das Haus erwartete für das vierte Quartal 2026 einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.000 US-Dollar je Unze.
Eine Erholung knüpfte die Bank unter anderem an nachlassende Inflationssorgen und eine Fed, die nicht mehr auf Zinserhöhungen ausgerichtet ist. Ihre höheren Preisannahmen sind damit kein bedingungsloser Ausblick, sondern setzen ein günstigeres geldpolitisches Umfeld voraus.
Für 2027 prognostizierte die Bank zunächst 4.750 US-Dollar je Unze im frühen Jahresverlauf. Im zweiten und dritten Quartal erwartete sie jeweils 5.000 US-Dollar.
Der nächste konkrete Prüfstein ist das FOMC-Treffen am 27.–28. Oktober mit der Zinsentscheidung und Pressekonferenz am 28. Oktober. Für Gold zählt dabei vor allem, ob die Fed die jüngsten Inflationssignale als Anlass für weitere Straffung wertet. Anhaltende Nachfrage stützt den Markt – die kurzfristige Richtung bleibt jedoch eng mit dem US-Zinskurs verbunden.
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