Gold: Sicherheitsbonus fällt aus

Trotz militärischer Konflikte zwischen USA und Iran verliert Gold an Wert. Steigende Anleiherenditen und ein starker Dollar überlagern den Sicherheitsbonus.

Auf einen Blick:
  • Goldkurs fällt zwei Tage in Folge
  • Starker Dollar und höhere Renditen belasten
  • Ölpreis steigt um über fünf Prozent
  • Nächste Eskalationsstufe entscheidet über Richtung

Wenn Bomben fallen und Tanker brennen, steigt normalerweise der Goldpreis. Diese Woche lief es andersherum. Nach der erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran rutschte Gold zwei Handelstage in Folge ab – der klassische Kriegs-Reflex blieb aus.

Der Grund liegt in einer ungewöhnlichen Gemengelage. US-Präsident Donald Trump erklärte die Waffenruhe mit dem Iran für beendet, das US-Militär griff nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Land an. Der Iran meldete im Gegenzug einen Raketen- und Drohnenangriff auf US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait. Eigentlich ein Lehrbuchszenario für Gold als sicheren Hafen.

Warum die Zinsfalle stärker wog als die Kriegsangst

Die Eskalation trieb zunächst die Ölpreise nach oben – WTI-Rohöl legte um 5,22 Prozent auf 74,12 Dollar je Barrel zu. Höhere Energiepreise schüren Inflationssorgen, und steigende Anleiherenditen machen zinsloses Gold im Vergleich unattraktiver. Genau diese Kombination aus Dollar-Stärke und höheren Renditen drückte den Kurs, statt ihn zu stützen.

Der Comex-Future für Gold zur Lieferung im August fiel am Mittwoch um 77,50 Dollar beziehungsweise 1,86 Prozent auf 4.079,90 Dollar je Feinunze. Silber traf es deutlich härter: Der August-Kontrakt sackte um 4,76 Prozent auf 58,205 Dollar ab. Am Nachmittag notierte die Feinunze Gold laut Referenzkurs bei rund 4.062 Dollar, etwa 45 Dollar unter dem Vortagsniveau.

Vor der jüngsten Zuspitzung hatten Marktbeobachter noch auf eine Stabilisierung gesetzt. Gold und Goldminenaktien zählten zwischen Ende Februar und Ende Juni mit Verlusten von 24 beziehungsweise 34 Prozent zu den schwächsten Anlageklassen des Jahres, was manche als überverkauft einstuften. Die neue Nahost-Eskalation hat diese Hoffnung zunächst durchkreuzt.

Die nächste Wegmarke ist der Bericht zu den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA. Parallel soll die nächste Gesprächsrunde zwischen Washington und Teheran nach dem 9. Juli beginnen – nach der Beisetzung von Irans verstorbenem Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei. Ob sich die Fronten wieder beruhigen oder die Lage weiter eskaliert, dürfte in den kommenden Tagen über die Richtung des Goldpreises entscheiden.

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