Ein möglicher 60-Tage-Waffenstillstand zwischen den USA und Iran bewegt die Edelmetallmärkte zum Wochenstart. Der Goldpreis erholte sich zuletzt vom Zweimonatstief bei 4.365,76 US-Dollar — schloss vergangene Woche bei 4.569,90 Dollar und liegt damit seit Jahresbeginn rund fünf Prozent im Plus. Die eigentliche Spannung liegt jedoch woanders.
Hormus-Route als Schlüssel
Entscheidend ist nicht allein die Feuerpause, sondern deren Verbindung zur Straße von Hormus. Der geplante Rahmen würde den Schiffsverkehr durch die Wasserstraße wieder zulassen — eine Route, die in normalen Zeiten einen Großteil der globalen Öl- und LNG-Transporte trägt. Devisen-, Energie- und Edelmetallmärkte reagierten gemeinsam auf die Meldung.
Allerdings ist der Deal noch nicht final. Aus informierten Kreisen hieß es, die Einigung sei nicht abschließend genehmigt; iranische Staatsmedien dementieren eine endgültige Übereinkunft. Parallel dazu ordnete Israel neue Truppenbewegungen im Libanon an, was die Ölpreise am Montag früh wieder antrieb.
Schwächerer Dollar, aber Zinsdruck bleibt
Für Gold ist die Entspannung am Energiemarkt vor allem über den US-Dollar relevant. Der Dollar-Index gab in der Vorwoche nach, weil Investoren auf eine Einigung und eine geöffnete Hormus-Route setzten. Ein schwächerer Dollar macht in Dollar notierte Edelmetalle für internationale Käufer günstiger.
Der zentrale Gegenwind bleibt die Zinsperspektive. Fed-Vertreter haben signalisiert, dass ein weiterer Zinsschritt nach oben nötig werden könnte, falls der Krieg die ohnehin erhöhte Inflation beschleunigt. Eine Reuters-Umfrage erwartete für den US-Arbeitsmarktbericht vom 5. Juni eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent und einen Stellenaufbau von 85.000 Jobs. Genau diese Daten werden zeigen, wie viel Spielraum die Fed noch hat.
Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten eines unverzinsten Rohstoffs — das erklärt, warum Gold im Mai trotz geopolitischer Unterstützung mehr als zwei Prozent verlor. Mit einem RSI von knapp 50 und einem Abstand von rund 1,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt sendet der Markt kein klares Signal in eine Richtung.
Physische Nachfrage liefert keinen Schub
Auf der Nachfrageseite bleibt das Bild gemischt. In Indien dämpfen hohe Preise und Importabgaben die Kaufbereitschaft. In China verengten sich die Aufschläge, weil Käufer zurückhaltender agieren. Beide großen asiatischen Konsumzentren liefern derzeit keinen zusätzlichen Impuls.
Strukturelle Unterstützung kommt von den Zentralbanken. Der World Gold Council meldete für das erste Quartal 2026 Nettokäufe von 244 Tonnen — über dem Vorquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt. Polen kaufte allein 31 Tonnen, Usbekistan 25 Tonnen. Dieser Nachfragestrom bleibt eine stabile Stütze, kann kurzfristige Preisausschläge aber nicht allein abfedern.
Ob Gold seinen Jahresgewinn von rund fünf Prozent ausbauen kann, hängt damit an zwei Terminen: der finalen Bestätigung des Waffenstillstands und den US-Arbeitsmarktdaten am 5. Juni.
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