Höhere Ölpreise belasten Gold heute erneut: Sie schüren Inflationssorgen und rücken den Zinsausblick vor dem anstehenden Beschluss der US-Notenbank in den Mittelpunkt. Reuters berichtet über diesen Zusammenhang. Zugleich kommen aus China und Indien Hinweise auf Kaufinteresse bei niedrigeren Preisen. Damit stehen sich am Goldmarkt geldpolitische Belastungen und eine anziehende physische Nachfrage gegenüber.
Ölpreise bestimmen die kurzfristige Richtung
Der jüngste Richtungswechsel zeigt, wie eng der Goldmarkt derzeit auf die Entwicklung der Energiepreise reagiert. Noch am Montag berichtete Reuters über eine Erholung nach dem Tief vom Freitag. Damals hatten nachlassende Ölpreise die Inflationssorgen vor der Fed-Sitzung gedämpft. Heute wirkt derselbe Zusammenhang in die Gegenrichtung.
Schon am Donnerstag hatten steigende Ölpreise und Erwartungen länger hoher Zinsen das Edelmetall belastet. Der erneute Druck ist damit keine isolierte Tagesbewegung. Er setzt ein Muster fort, bei dem die Zinsbefürchtungen das Marktgeschehen prägen.
Mit einem Tagesschlusskurs von 4.048,47 USD je Feinunze zeigt Gold bislang keine nachhaltige Entspannung gegenüber diesen Belastungen. Entscheidend für die kurzfristige Einordnung bleibt der heute anstehende Fed-Beschluss. Anleger warten Reuters zufolge auf Hinweise zum weiteren Zinskurs; eine Entscheidung war noch nicht gemeldet.
Chinesische Käufer nutzen niedrigere Preise
Auf der Nachfrageseite ergibt sich ein anderes Bild. Bloomberg berichtete gestern von zunehmenden Goldkäufen chinesischer Haushalte bei nachlassenden Goldpreisen und schwächeren Aktien. An der Shanghai Gold Exchange wurden im Au99.99-Kontrakt in der Vorwoche 43 Millionen Lots gehandelt. Laut Bloomberg war dies die aktivste Woche seit April.
Das Kaufinteresse bildet einen Gegenpol zu den Zinsängsten. Es bedeutet allerdings nicht, dass diese Belastung verschwunden ist. Die chinesischen Käufe und der heutige Preisdruck zeigen vielmehr, dass stärkere Nachfrage und fallende Notierungen gleichzeitig auftreten können.
Indien liefert zusätzliche Nachfragesignale
Auch in Indien zogen saisonale Käufe vor der Fest- und Hochzeitssaison an. Der Preisabschlag gegenüber dem Weltmarkt verringerte sich bis zum 16. Oktober auf 8 US-Dollar je Unze. Im Vormonat hatte er durchschnittlich 66 US-Dollar betragen.
Der kleinere Abschlag ergänzt das Bild einer festeren physischen Nachfrage. Für Anleger ergibt sich daraus jedoch noch keine Entwarnung: Die Käufe in Asien stützen die Nachfrageseite, während Ölpreise und Zinserwartungen die kurzfristige Richtung belasten. Ob diese Belastung nachlässt, hängt zunächst von den geldpolitischen Signalen ab, auf die der Markt heute wartet.
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