Der Goldmarkt zeigt derzeit ein zweigeteiltes Bild. Während private Anleger und Schmuckkäufer zurückhaltender werden, bauen Notenbanken ihre Bestände unbeirrt weiter aus – ein Muster, das den Preis trotz Gegenwind stabilisiert.
Notenbanken kaufen, Privatnachfrage bricht ein
Im zweiten Quartal zogen Anleger laut dem World Gold Council 45 Tonnen aus Gold-ETFs ab, gleichzeitig sackte die weltweite Schmucknachfrage um 17 Prozent ein.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang in China: Investmentgold-Käufe in Peking sollen laut Medienberichten um rund 60 Prozent eingebrochen sein, nachdem der Schmuckpreis von 1.600 bis 1.700 Yuan pro Gramm zu Jahresbeginn auf 1.340 bis 1.370 Yuan gefallen ist.
Auf der anderen Seite stocken Zentralbanken weiter auf. Polen erhöhte seine Reserven im zweiten Quartal um 51 Tonnen auf 632 Tonnen, China kaufte 33 Tonnen hinzu und kommt nun auf 2.346 Tonnen.
Lediglich Russland verkaufte im selben Zeitraum 22 Tonnen. Dieses gegenläufige Verhalten zwischen offizieller und privater Nachfrage erklärt einen guten Teil der aktuellen Preisdynamik: Die strukturelle Nachfrage der Notenbanken wirkt wie ein Fundament, das den Kurs auch bei nachlassendem Privatinteresse trägt.
Der Blick zurück auf die Rekordjagd
Der Goldpreis hatte Anfang des Jahres bei rund 5.600 US-Dollar je Feinunze ein Rekordhoch markiert, bevor er bis Ende Juni auf unter 4.000 Dollar abrutschte – ein Einbruch von mehr als 20 Prozent gegenüber der Spitze. Seither hat sich das Edelmetall wieder erholt.
Aktuell notiert Gold bei 4.432 US-Dollar, ein Plus von 0,6 Prozent zum Vortag und rund 9 Prozent über dem Niveau vor 30 Tagen. Diese Erholung fällt zusammen mit schwächeren US-Konjunktursignalen, die Zinssenkungserwartungen befeuert und den Dollar unter Druck gesetzt haben.
Analysten uneins über die Fortsetzung der Rallye
Die Prognosen der großen Häuser klaffen deutlich auseinander. JPMorgan sieht den Preis bis Ende 2026 bei 5.243 Dollar, ANZ sogar bei 5.600 Dollar. Goldman Sachs kalkuliert mit 4.900 Dollar bis Dezember, während Citi mit 4.300 Dollar auf Sicht von null bis drei Monaten deutlich vorsichtiger bleibt.
Diese Spannbreite spiegelt die Unsicherheit über die geldpolitische Richtung und die Frage, wie nachhaltig die Notenbank-Nachfrage das schwächere Privatgeschäft ausgleichen kann.
Für Anleger bedeutet das: Der Goldmarkt bleibt gespalten zwischen strukturellen Käufern mit langem Zeithorizont und einer preissensiblen Privatnachfrage, die auf hohe Niveaus mit Zurückhaltung reagiert. Solange Zentralbanken wie Polen und China ihre Käufe fortsetzen, dürfte dies dem Preis auch bei nachlassendem Schmuck- und ETF-Interesse einen Boden geben.
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