Zwischen geopolitischer Eskalation und einer mutigen Analystenprognose pendelt der Goldpreis diese Woche zwischen Rücksetzer und Erholung. Während der Nahost-Konflikt die Ölpreise treibt und damit die Inflationsrechnung der Notenbanken verkompliziert, wagt sich ein Analyst mit einer der aggressivsten Jahresendprognosen der Branche vor.
Zwischen Nahost-Spannungen und Dollarschwäche
Am Mittwoch zeigte sich Gold nach dem kräftigen Rücksetzer vom Vortag wieder etwas fester. Die Erholung über die Marke von 4.300 Dollar kam zustande, weil die Renditen von US-Staatsanleihen nachgaben und der Dollar Federn ließ.
Zuvor hatten eskalierende Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise nach oben getrieben — was Zentralbanken vor ein Dilemma stellt: Höhere Energiepreise nähren die Inflationssorgen, gleichzeitig belasten steigende Anleiherenditen und ein zeitweise robuster Dollar das zinslose Edelmetall direkt. Charttechnisch bleiben die Verkäufer unterhalb des 100-Tage-Durchschnitts vorerst am Drücker.
Die kurzfristige Richtung hängt maßgeblich vom bevorstehenden US-Arbeitsmarktbericht ab, auf den der Markt seinen Blick gerichtet hat. Hawkishe Wetten auf eine straffere Fed-Politik begrenzen aktuell das Aufwärtspotenzial, selbst wenn geopolitische Risiken eigentlich für sichere Häfen sprechen würden.
Natixis erhöht auf 5.000 Dollar
Während der Tageschart nervös bleibt, zeichnet Natixis-Analyst Bernard Dahdah ein deutlich optimistischeres Bild. Er hob seine Jahresendprognose für Gold Ende August von 4.600 auf 5.000 US-Dollar je Feinunze an — mitten in einer Phase, in der sich der Kurs nach einer monatelangen Korrektur zurück in Richtung dieser runden Marke kämpft. Die Unterstützung über 4.000 Dollar hat sich bislang gehalten.
Als Treiber nennt Dahdah eine veränderte Zinserwartung: Vor einem Monat preisten Terminmärkte noch zwei Zinserhöhungen ein, inzwischen wird für Dezember stattdessen eine Zinssenkung erwartet. Hinzu kommt die Sorge um die US-Staatsfinanzen.
Das Finanzministerium verdoppelte seine Rückkäufe langlaufender Anleihen auf 4 Milliarden Dollar, kurz nachdem die Staatsverschuldung die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hatte — die Rendite dreißigjähriger Anleihen kletterte dabei auf ein Zwei-Dekaden-Hoch von 5,3 Prozent.
Nach Dahdahs Einschätzung wird diese Furcht vor einer schleichenden Geldentwertung zum eigentlichen Kurstreiber, nicht klassische Inflationssorgen. Als zusätzlichen Belastungsfaktor für die Staatsfinanzen nennt er die durch Gerichtsurteile weggefallenen Zolleinnahmen sowie steigende Verteidigungsausgaben.
Auch die private Verschuldung durch den KI-Kapazitätsausbau spielt eine Rolle — allein Meta, Microsoft und Amazon haben Stromlieferverträge im Umfang von fast 250 Milliarden Dollar unterschrieben.
Für 2027 erwartet Dahdah einen Durchschnittspreis von 5.000 Dollar bei Gold und rund 78 Dollar bei Silber. Im unmittelbaren Fokus steht nun die September-Sitzung der US-Notenbank, deren Zinsentscheid direkten Einfluss auf die von Dahdah beschriebene Neubewertung der Zinserwartungen haben dürfte.
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