Gold: Manulife stockt bei 4.000 Dollar auf

Symbolbild, KI-generiert

Gold notiert bei 3.934,19 US-Dollar; Ölpreis- und Zinssorgen stehen möglichen Impulsen durch die Wahl gegenüber.

Auf einen Blick:
  • Geteilter Kongress könnte Renditen drücken
  • Manulife stockte Gold bei 4.000 Dollar auf
  • Märkte rechnen überwiegend mit Dezember-Zinserhöhung
  • Gold gewann historisch in acht von 13 Fällen

Die heutigen US-Zwischenwahlen könnten Gold über veränderte Erwartungen an Haushaltspolitik, Zinsen und Dollar beeinflussen. Eine eindeutige Kursrichtung lässt sich daraus nicht ableiten. Während einzelne Strategen Chancen auf sinkende Renditen sehen, belasten die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik weiterhin das Edelmetall. Entscheidend ist damit weniger der Wahlausgang allein als dessen Wirkung auf die Finanzierungsbedingungen.

Mehrheiten könnten den Zinsausblick verändern

Ein geteilter US-Kongress könnte zusätzliche Staatsausgaben erschweren und dadurch die Anleiherenditen dämpfen. Diesen möglichen Zusammenhang beschreibt ein Bericht der „Presse“. Für Gold wäre das ein anderes Umfeld als der zuletzt belastende Mix aus hohen Renditen und einer restriktiven US-Notenbank.

Manulife-Stratege Matt Miskin sieht bei einem Verlauf ähnlich wie 2019 die Möglichkeit, dass sich die Goldschwäche 2027 umkehrt. Das ist ein Szenario, keine Prognose eines unmittelbar bevorstehenden Kursanstiegs.

Manulife hat Goldpositionen im Bereich von 4.000 US-Dollar je Feinunze aufgestockt. Die Positionierung ist neutral bis leicht übergewichtet. Damit verbindet das Haus seine längerfristige Einschätzung mit Käufen, ohne eine ausgeprägt offensive Haltung einzunehmen.

Einen anderen politischen Ausgang betrachtet StoneX-Analystin Rhona O’Connell. Sollten die Demokraten beide Kongresskammern kontrollieren, könnten ihrer Einschätzung nach Zinsen und Dollar sinken. Auch das könnte Gold unterstützen. Die Aussagen zeigen: Unterschiedliche Wahlergebnisse können positive Goldszenarien begründen, sofern die Reaktion an den Zins- und Devisenmärkten dazu passt.

Ölpreis und Zinssorgen bleiben Gegengewichte

Die Wahl findet allerdings in einem Umfeld erhöhter Inflationssorgen statt. Reuters berichtet heute von steigenden Ölpreisen nach Berichten über einen US-Angriff auf die iranische Insel Qeshm und stockenden Gesprächen. Eine offizielle Bestätigung des Angriffs lag zunächst nicht vor.

Höhere Ölpreise verstärken die Sorgen vor Inflation und steigenden Zinsen. Nach dem von Reuters zitierten CME FedWatch rechnen Marktteilnehmer überwiegend mit einer US-Zinserhöhung im Dezember. Dieser geldpolitische Gegenwind erklärt, warum geopolitische Unsicherheit Gold nicht automatisch Auftrieb gibt.

Der Spotpreis liegt zum heutigen Tagesschluss bei 3.934,19 USD je Feinunze. Die Tagesveränderung von -0,3% unterstreicht, dass die Wahl bislang keine klare Entlastung bringt.

Neben dem Wahlergebnis stehen diese Woche mehrere US-Konjunkturdaten im Blick. Dazu gehören offene Stellen, der ISM-Dienstleistungsindex und Arbeitsmarktzahlen. Sie könnten die Erwartungen an den weiteren Zinspfad beeinflussen und damit auch die Interpretation des Wahlausgangs verändern.

Historische Gewinne sind keine Wahlprognose

Historische Vergleiche liefern zwar Argumente für Zuversicht, aber keine verlässliche Handlungsregel. Eine Auswertung der November-Durchschnittspreise in Wahljahren und im jeweiligen Folgejahr ergab für Gold Gewinne in acht von 13 Fällen. Der durchschnittliche Anstieg betrug 14%.

Dabei handelt es sich um nominale Dollarpreise und einen Jahresvergleich, nicht um die unmittelbare Reaktion nach dem Wahlabend. Die Ergebnisse belegen weder eine verlässliche Prognosekraft noch einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Zwischenwahlen und Goldgewinnen.

Die Spannweite reichte zudem von einem Verlust von 22% bis zu einem Gewinn von 90%. Für Anleger ist deshalb die Reaktion von Renditen und Dollar aussagekräftiger als der historische Durchschnitt allein. Eine politische Konstellation, die niedrigere Zinsen begünstigt, könnte Gold stützen. Bleiben Inflationsdruck und Zinserwartungen hoch, wäre dieser mögliche Wahleffekt begrenzt.

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