Gold kann seine Dienstags-Gewinne nicht halten. Fed-Chef Kevin Warsh lässt die Märkte in der Zinsfrage im Unklaren. Das Ergebnis: Das Edelmetall pendelt zwischen geopolitischer Nachfrage und nüchterner Zinslogik.
Konsolidierung nach starker Rally
Am Dienstag legte Gold noch deutlich zu, nachdem schwächere US-Inflationsdaten die Zinssorgen dämpften. Die jährliche Teuerungsrate sank im Juni auf 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai. Erwartet hatten Ökonomen 3,8 Prozent.
Auch im Monatsvergleich fielen die Verbraucherpreise, um 0,4 Prozent. Das gab es seit 2020 nicht mehr.
Trotzdem bröckelt der Goldpreis. Am Mittwoch notiert die Feinunze bei 4.037,30 US-Dollar, ein Minus von 0,42 Prozent zum Vortag. Der Schlusskurs vom Dienstag lag noch bei 4.067,50 US-Dollar. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 0,49 Prozent, auf Monatssicht ein deutlicheres Minus von 6,08 Prozent zu Buche.
Der Blick auf die längere Frist zeigt das ganze Bild. Seit Jahresbeginn hat Gold 6,32 Prozent verloren und liegt inzwischen 27,71 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar. Zum 52-Wochen-Tief bei 3.901,30 US-Dollar sind es dagegen nur noch 4,26 Prozent.
Warsh bleibt vage, Markt bleibt gespalten
Fed-Chef Warsh bekräftigte bei seiner Kongress-Anhörung am Dienstag das Ziel der Preisstabilität. Ein Signal für eine härtere Gangart lieferte er nicht. Diese Unentschlossenheit spiegelt sich in den Markterwartungen: Die Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September liegt weiterhin bei rund 50 Prozent.
Ein Grund dafür sind die neu aufgeflammten Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Sie treiben die Ölpreise nach oben und halten die Inflationssorgen wach. US-Präsident Donald Trump kündigte an, die Blockade iranischer Schiffe in der Straße von Hormus wieder einzuführen. Zudem forderte er Länder, die von der amerikanischen Absicherung der Route profitieren, zur Kostenbeteiligung auf.
Diese Entwicklung wirkt auf Gold von zwei Seiten. Einerseits stärkt sie die Nachfrage nach dem Metall als sicherem Hafen. Andererseits schürt sie Inflationserwartungen, was wiederum für restriktivere Zinserwartungen spricht.
Charttechnik zeigt Schwäche
Die technischen Indikatoren untermauern die aktuelle Konsolidierung. Gold notiert 6,39 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.345,00 US-Dollar und 10,40 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.539,72 US-Dollar. Der RSI liegt bei 41,9 – kein überverkauftes Niveau, aber ein Hinweis auf nachlassenden Kaufdruck.
Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Handelstage beträgt 28,40 Prozent. Das zeigt: Der Markt bleibt nervös, auch wenn die große Richtung noch offen ist.
Struktureller Rückhalt bleibt
Losgelöst von der kurzfristigen Zinsdebatte bleibt die langfristige Nachfrage stabil. Zentralbanken weltweit kaufen weiter Gold für ihre Reserven. Das gibt dem Edelmetall trotz der Schwankungen ein Fundament.
Der Dollar bleibt dabei der zentrale Gegenspieler. Ein starker Greenback verteuert Gold für Käufer außerhalb der USA und dämpft die physische Nachfrage. Steigende Anleiherenditen erhöhen zusätzlich die Opportunitätskosten für das zinslose Metall.
Für die kommenden Handelstage dürften zwei Faktoren den Ton angeben: die weitere Eskalation im US-Iran-Konflikt und neue Kommentare aus dem Fed-Umfeld zur Zinspolitik. Beide Themen haben in den vergangenen Tagen bereits gezeigt, wie schnell sie die Notierungen in die eine oder andere Richtung bewegen können.
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