Gold: Fed und Iran als Bremser

Der Goldpreis leidet unter einem starken Dollar und hawkischen Fed-Erwartungen. Ein möglicher Frieden mit dem Iran verschärft den Abwärtstrend zusätzlich.

Auf einen Blick:
  • Gold verliert 20 Prozent seit Kriegsbeginn
  • Starker Dollar und hohe Zinsen belasten
  • EZB erhöht Leitzins auf 2,25 Prozent
  • Konsumklimaindex als nächster Impulsgeber

Der Goldpreis steckt in einem unangenehmen Dilemma. Ein potenzieller Friedensvertrag zwischen den USA und dem Iran, der eigentlich als geopolitischer Unsicherheitsfaktor Golds Aufstieg befeuert hatte, wirkt nun als Belastung — denn die Aussicht auf Deeskalation stärkt den Dollar und drückt gleichzeitig die Inflationserwartungen.

Seit Kriegsbeginn mit dem Iran hat Gold rund 20 Prozent an Wert verloren. Auf Wochensicht steuert das Edelmetall auf den zweiten deutlichen Verlust in Folge zu.

Zwei Kräfte gegen Gold

Der stärkere Dollar ist das eine Problem. Das andere sind hawkische Erwartungen an die US-Notenbank Fed. Zwar zeigt das FedWatch-Tool der CME Group derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 59 Prozent für mindestens eine Zinssenkung bis Jahresende — doch Marktteilnehmer preisen auch das Gegenteil ein. Die EZB erhöhte gestern Donnerstag die Leitzinsen auf 2,25 Prozent, erstmals seit fast drei Jahren. Für den zinslosen Goldbarren ist ein solches Umfeld strukturell ungünstig.

Technisch sieht das Bild nicht besser aus. Der Kurs bewegt sich auf dem Vier-Stunden-Chart in einem klassischen Bärflaggen-Muster und pendelt um die Marke von rund 4.200 Dollar. Der Widerstandsbereich bei 4.250 bis 4.270 Dollar gilt als kritische Zone — scheitert Gold dort, droht eine erneute Abwärtswelle Richtung 4.110 Dollar.

Hoffnung, aber ohne Überzeugung

Am Donnerstag gab es kurz Erleichterung: Neue Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt trieb den Preis um mehr als drei Prozent nach oben. Auch fallende Anleiherenditen und ein vorübergehend schwächerer Dollar stützten. Diese Gegenbewegung verliert allerdings schon wieder an Schwung, je näher der Preis der Widerstandszone rückt.

Ein entscheidender Impuls könnte heute Nachmittag kommen: Der von der Universität Michigan ermittelte Konsumklimaindex wird für 16 Uhr erwartet. Analysten rechnen mit einem Anstieg von 44,8 auf 46,0 Punkte. Fällt das Ergebnis schwächer aus, könnten Rezessionssorgen die Safe-Haven-Nachfrage nach Gold kurzzeitig stützen — überzeugt den Markt aber ein starker Wert von der wirtschaftlichen Robustheit der USA, dürfte der Druck auf das Edelmetall weiter zunehmen.

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