Ein US-Angriff auf einen Öltanker vor der iranischen Insel Kharg lässt die Nahost-Krise eskalieren. Der Iran antwortet mit Gegenschlägen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Jordanien. Gold fällt trotz der Kriegsgefahr — ein Muster, das viele Anleger überrascht.
Tanker-Angriff bei Kharg heizt Konflikt an
Die USA greifen erstmals seit Beginn der erneuten Iran-Blockade einen Öltanker an. Der Ort ist kein Zufall: Kharg ist das wichtigste Exportzentrum für iranisches Rohöl. Teheran reagiert prompt und meldet Gegenschläge auf US-Stützpunkte in Kuwait und Jordanien.
Der Ölpreis zeigt sich trotz der Eskalation zunächst uneinheitlich. Am Donnerstagmorgen rutscht er sogar leicht ins Minus. Für den Goldmarkt bedeutet die Mischung aus Kriegsgefahr und schwankenden Energiepreisen vor allem eines: mehr Unsicherheit über die Zinspolitik der US-Notenbank.
Gold fällt trotz Krise
Die Feinunze notiert aktuell bei 4.036 US-Dollar. Das sind 0,75 Prozent weniger als am Vortag. Auf Wochensicht steht bereits ein Minus von 2,33 Prozent zu Buche.
Der Verkaufsdruck verstärkte sich bereits im frühen asiatischen Handel. Auch Silber gibt nach und verbilligt sich um 0,8 Prozent auf 57,30 US-Dollar. Die Kursentwicklung bleibt unter dem Eindruck der anhaltenden Militäraktionen im Nahen Osten.
Der Vortag zeigte bereits die Nervosität am Markt. Gold steuerte am Mittwoch wiederholt auf die Marke von 4.000 Dollar zu, schloss am Ende aber leicht im Plus bei 4.067 Dollar. Silber verlor zeitgleich mehr als 1,5 Prozent — ein deutlicher Vorbote der heutigen Schwäche.
Drei Faktoren prägten den Mittwoch: Zunächst stützten überraschend schwache US-Erzeugerpreise den Goldpreis. Später belasteten Aussagen von Fed-Präsident Kevin Warsh die Stimmung. Am Ende hielt die technische Unterstützung bei 4.000 Dollar den Kurs im Plus.
Warum Inflationsdaten die Krise nicht abbilden
Der Goldpreis fand zuletzt Halt durch schwächere US-Inflationsdaten. Die Erzeugerpreise gingen im Juni erstmals seit fast einem Jahr unerwartet zurück. Grund waren vor allem niedrigere Energiekosten.
Diese Zahlen spiegeln die aktuelle Zuspitzung allerdings nicht wider. Das im Vormonat erreichte Interims-Friedensabkommen ist inzwischen faktisch zerfallen. Der neue Tanker-Zwischenfall bei Kharg dürfte diese Lücke in den kommenden Wochen deutlicher sichtbar machen.
Die Gemengelage bleibt widersprüchlich. Steigende Ölpreise durch die Nahost-Eskalation belasten die Inflationsaussichten. Gleichzeitig dämpften zuletzt schwächere US-Preisdaten die Zinssorgen.
Am heutigen Donnerstag stehen mehrere US-Konjunkturdaten an: die Einzelhandelsumsätze für Juni, die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie der Philly-Fed-Index. Alle drei können die Zinserwartungen und damit die kurzfristige Richtung am Goldmarkt beeinflussen. Mit Blick auf den RSI von 40 und die Nähe zum 52-Wochen-Tief bei 3.901 Dollar bleibt der Goldpreis in einer fragilen Phase — trotz eines Konflikts, der eigentlich für steigende Nachfrage nach dem sicheren Hafen sprechen würde.
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