Der Goldpreis notiert bei 4.358,33 US-Dollar je Feinunze und damit 0,3 Prozent höher als am Vortag. Die eigentliche Nachricht liegt jedoch nicht im Tagesgeschäft, sondern in den Kapitalflüssen des vergangenen Monats: Physisch besicherte Gold-ETFs zogen weltweit im August 18 Milliarden US-Dollar an – der zweithöchste monatliche Zufluss, den der World Gold Council je verzeichnet hat.
Rekordbestände trotz Gegenwind
Die Bestände der globalen Gold-ETFs kletterten um 121 Tonnen auf ein Allzeithoch von 4.189 Tonnen. Das verwaltete Vermögen der Fonds legte um 16 Prozent auf 615 Milliarden US-Dollar zu. Laut World Gold Council trieben vor allem Anleger aus Nord- und Südamerika sowie europäische Fonds den Anstieg. Die Zahlen zeigen: Institutionelle und private Investoren bauten ihre Goldpositionen im August in einem Tempo aus, das selten seine Entsprechung findet.
Umso bemerkenswerter ist ein Kontrastpunkt Anfang September: SPDR Gold Shares, der größte Gold-ETF, meldete nach sieben Wochen kontinuierlich steigender Bestände erstmals wieder Abflüsse. 849 Millionen US-Dollar verließen den Fonds.
Nur wenige Tage zuvor, Anfang September, waren die Bestände noch um 11 Tonnen auf 1.057 Tonnen gewachsen. Der Bruch dieser Serie deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil der Anleger nach dem starken Lauf Gewinne mitnahm – während der breitere ETF-Markt insgesamt weiter zulegte.
Zentralbanken bleiben verlässliche Käufer
Parallel zu den privaten Anlegern bauten auch Notenbanken ihre Reserven weiter aus, wenn auch mit gebremstem Tempo im Jahresverlauf. Im zweiten Quartal kauften Zentralbanken netto 288,9 Tonnen Gold – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und laut World Gold Council das stärkste zweite Quartal in der gesamten Datenreihe der Organisation.
Polen und China zählten neben mehreren kleineren Reservemanagern zu den größten Käufern, während Russland und die Türkei im gleichen Zeitraum als größte Verkäufer auftraten.
Im Juli fiel das Tempo merklich ab: Die Notenbanken kauften netto nur noch 23 Tonnen, angeführt von China mit 20 Tonnen und Polen mit 8 Tonnen. Seit Jahresbeginn summieren sich die Käufe auf rund 130 Tonnen – deutlich weniger als die etwa 160 Tonnen im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der langfristige Trend bleibt intakt, doch das Kauftempo der Notenbanken hat sich spürbar verlangsamt.
Was das für Anleger bedeutet
Die Kombination aus Rekordzuflüssen bei ETFs und anhaltenden, wenn auch langsameren Notenbankkäufen liefert dem Goldpreis eine strukturelle Stütze, die über die kurzfristigen Ausschläge der vergangenen Woche hinausreicht.
Der Preis bewegt sich derzeit 1,3 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.303,72 US-Dollar, während er noch 3,1 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.496,83 US-Dollar liegt – ein Hinweis darauf, dass sich die kurzfristige Erholung noch nicht vollständig in der längerfristigen Trendlinie niedergeschlagen hat.
Der Abfluss bei SPDR Gold Shares dürfte dabei eher ein Signal für taktische Gewinnmitnahmen einzelner Marktteilnehmer sein als ein Bruch des übergeordneten Zuflusstrends. Solange Zentralbanken – wenn auch gedrosselt – weiter kaufen und breite ETF-Bestände Rekordniveaus erreichen, bleibt die fundamentale Nachfragebasis für Gold robust.
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