Die heutigen US-Zwischenwahlen rücken für Goldanleger die amerikanische Fiskalpolitik und den Zinsausblick in den Mittelpunkt. Nach der Erholung gestern gab das Edelmetall im asiatischen Handel wieder nach. Diplomatische Signale im Iran-Konflikt lindern zwar Inflationssorgen. Die weiterhin hohe Markterwartung einer US-Zinserhöhung im Dezember begrenzt jedoch den Spielraum für eine nachhaltige Erholung.
Zinsausblick bremst die Erholung
Laut dem von CNBC aufgegriffenen CME-FedWatch-Indikator lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember bei 74%. Zugleich erholten sich im asiatischen Handel der US-Dollar und die Anleiherenditen. Damit stehen den Hoffnungen auf nachlassenden Preisdruck weiterhin belastende Finanzierungsbedingungen gegenüber.
Die Analysten von ING erwarten eine Erholung des Goldpreises. Kurzfristig sehen sie allerdings Gegenwind durch höhere Zinsen und einen stärkeren Dollar. Ihre Einschätzung spricht damit für Erholungspotenzial, nicht für eine bereits gesicherte Trendwende.
Gestern hatte Gold mit einem Plus von 1,8% auf 3.945,67 USD je Feinunze geschlossen. Die anschließende Abschwächung im asiatischen Handel unterstreicht, wie empfindlich die Erholung gegenüber dem Zins- und Währungsumfeld bleibt.
Iran-Gespräche helfen über den Ölpreis
Den wichtigsten Entlastungsimpuls lieferte zuletzt der Energiemarkt. Hoffnungen auf Gespräche zwischen den USA und Iran drückten die Ölpreise und milderten damit Inflationssorgen, die Gold zuvor belastet hatten. Für das Edelmetall wirkte die Aussicht auf diplomatische Entspannung in diesem Fall unterstützend.
Reuters zufolge setzten Iran und die USA ihre Gespräche zur Beendigung des acht Monate andauernden Krieges fort. Bei den Verhandlungen mit katarischen Vermittlern gelang jedoch kein Durchbruch. Ein Abkommen oder eine kurzfristige Wiederöffnung der Straße von Hormus waren nicht bestätigt.
Die Unterscheidung ist für Anleger entscheidend: Der jüngste Impuls beruht auf Verhandlungshoffnungen, nicht auf einem abgeschlossenen Friedensprozess. Damit bleibt auch die Entlastung über sinkende Energiepreise an politische Fortschritte gebunden.
Wahlergebnisse werden zum nächsten Prüfstein
Erste Ergebnisse der US-Zwischenwahlen könnten morgen im asiatischen Handel neue Impulse setzen. Im Fokus stehen mögliche Folgen für Defizite, Inflation und die weitere Zinspolitik. Neben der Wahl bleiben die US-Stellenangebote und der für Freitag angekündigte Arbeitsmarktbericht wichtige Orientierungspunkte.
Wie deutlich sich die Erwartungen bereits verschoben haben, zeigt CIBC. Die Bank senkte ihr Goldpreisziel für das Schlussquartal 2026 von 6.500 auf 4.500 Dollar je Feinunze. Als Belastungen nennt sie höhere US-Realzinsen und einen stärkeren Dollar.
Eine spätere Zinssenkung betrachtet CIBC als Wette auf eine wirtschaftliche Abkühlung, nicht als Marktkonsens. Damit liegt die zentrale Hürde für Gold weniger in fehlenden Erholungschancen als im Zinsausblick: Diplomatische Entspannung allein beseitigt diesen Gegenwind bislang nicht.
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