Chinas Notenbank hat ihre Goldkäufe im Juli fortgesetzt – seit 21 Monaten in Folge stockt die People’s Bank of China ihre Reserven auf, wie Bloomberg berichtete. Parallel dazu zogen die chinesischen Netto-Goldimporte über Hongkong im Juli um rund 11 Prozent gegenüber dem Vormonat an, getragen von einer stärkeren privaten Investitionsnachfrage.
Die Kombination aus offizieller und privater Nachfrage aus China stützt den Goldpreis in einer Phase, in der die Anleger ohnehin auf ein geldpolitisches Signal aus den USA warten.
Am heutigen Freitag hält Fed-Chair Kevin Warsh seine mit Spannung erwartete Rede beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole. Investoren erhoffen sich davon Hinweise auf die Zinsentscheidung der Fed am 15. und 16. September.
Die Erwartungen haben sich zuletzt verschoben: Nach dem am Mittwoch bekanntgewordenen PCE-Preisindex, der im Juli mit 3,7 Prozent im Jahresvergleich über der Erwartung von 3,6 Prozent lag, preisten die Märkte laut Terminmarktdaten nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 38 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein – für Dezember liegt sie bei über 70 Prozent.
Zuvor hatte eine Serie schwacher Arbeitsmarkt-, Verbraucherpreis- und Erzeugerpreisdaten die September-Wahrscheinlichkeit bereits von rund 50 auf 31 Prozent gedrückt.
Zentralbanken bleiben Kernstütze des Preises
Die chinesischen Zukäufe sind Teil eines größeren Bildes: Der World Gold Council bezifferte die weltweiten Netto-Zentralbankkäufe im zweiten Quartal auf 288,9 Tonnen – 62 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und der stärkste je gemessene Wert für ein zweites Quartal. Polen führte die Käufer mit 51 Tonnen im Quartal an und kam im ersten Halbjahr auf 82 Tonnen, bei einem erklärten Ziel von 700 Tonnen Reserven.
Chinas Notenbank kaufte im selben Zeitraum 33 Tonnen – der größte Einzelquartalswert seit dem vierten Quartal 2023. Für das gesamte erste Halbjahr summierten sich die Zentralbankkäufe auf 345 Tonnen, was zwar unter dem Vorjahrestempo liegt, aber die deutliche Beschleunigung im zweiten Quartal unterstreicht.
Auf der Investorenseite zeigte sich zuletzt ein gemischtes Bild: Während Gold-ETFs in Nordamerika im zweiten Quartal noch Nettoabflüsse von 45 Tonnen verzeichneten, meldete der SPDR Gold Trust Anfang August an einem einzigen Tag Netto-Zuflüsse von rund 637 Millionen Dollar. Das deutet auf eine Rückkehr taktischer Anleger hin, sobald der Preis Fahrt aufnimmt.
Preis nahe an der Marke von 4.600 Dollar
Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.598,94 Dollar je Feinunze und damit nahezu unverändert zum Vortagesschluss von 4.601,25 Dollar. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 13 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Preis um 6,5 Prozent verteuert.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 4.545,58 Dollar besteht weiterhin ein moderater Aufschlag von 1,2 Prozent, was die mittelfristige Aufwärtstendenz unterstreicht.
Für die kommenden Tage bleibt die Rede von Warsh der entscheidende Taktgeber. Sollte sie als Signal für eine baldige Lockerung gelesen werden, dürfte das die zuletzt gesunkenen Zinserhöhungserwartungen weiter dämpfen und Gold als zinslosen Vermögenswert stützen.
Bleiben die Aussagen dagegen restriktiv, könnten die jüngsten Preisgewinne kurzfristig unter Druck geraten – die strukturelle Nachfrage aus Zentralbanken und aus China dürfte den Preis nach Einschätzung der Marktbeobachter aber auch dann nicht grundlegend infrage stellen.
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