Der Goldpreis hat am Mittwoch die Marke von 4.400 Dollar überwunden und damit den höchsten Stand seit rund zwei Monaten erreicht. Auslöser war der US-Verbraucherpreisindex für Juli, der mit plus 0,1 Prozent im Monatsvergleich und plus 3,4 Prozent im Jahresvergleich exakt den Erwartungen entsprach.
Die Kernrate legte um 0,2 Prozent zum Vormonat und 2,5 Prozent zum Vorjahr zu. Für Anleger war entscheidend, dass sich damit Spekulationen auf eine weitere Zinserhöhung der Fed im September abschwächten – die laut CME FedWatch zuvor gehandelte Wahrscheinlichkeit dafür sank von rund 46 auf etwa 40 Prozent.
Gold schloss am Mittwoch bei 4.478,80 Dollar je Feinunze und legte damit gegenüber dem Vortag um 1,2 Prozent zu. Auf Sicht von 30 Tagen summiert sich der Anstieg auf 10 Prozent, ein deutliches Signal dafür, wie stark die Zinssenkungsfantasie den Markt zuletzt getrieben hat.
Zentralbanken und ETFs als tragende Kräfte
Hinter der Rally steht nach Einschätzung der Bespoke Investment Group nicht allein die Zinserwartung, sondern eine breitere Nachfragebasis. Zentralbanken, allen voran China, kaufen seit Monaten kontinuierlich zu – die chinesische Notenbank hat ihre Goldreserven im Juli den 21. Monat in Folge aufgestockt und dabei rund 640.000 Unzen hinzugefügt.
Der Weltgoldrat bezifferte die Zentralbankkäufe im zweiten Quartal auf 289 Tonnen, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Parallel dazu fließt wieder Kapital in physisch besicherte Gold-ETFs, was die fundamentale Nachfrage neben der reinen Zinsspekulation stützt.
Bespoke weist allerdings darauf hin, dass der Markt nach dem starken August-Lauf technisch überkauft wirkt. Eine kurzfristige Korrektur sei nicht ausgeschlossen, dürfte aus Sicht der Analysten aber eher eine Einstiegschance als eine Trendwende darstellen. Das deckt sich mit dem Bild, das sich aus der jüngsten Kursbewegung ablesen lässt: Der Goldpreis notiert derzeit rund 7,4 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Abstand, der auf eine gewisse Überhitzung im kurzfristigen Trend hindeutet, auch wenn die mittelfristige Aufwärtsbewegung intakt bleibt.
Zinsdaten und geopolitische Risiken als Unsicherheitsfaktoren
Die Reaktion an den Anleihemärkten unterstreicht die veränderte Zinserwartung: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gab nach den Inflationsdaten um 3 Basispunkte auf 4,668 Prozent nach, jene der zweijährigen Papiere sank um knapp 5 Basispunkte. Sinkende Realrenditen gelten traditionell als Rückenwind für das zinslose Edelmetall Gold.
Gleichzeitig bleibt die geopolitische Lage ein Risikofaktor, der die Rally jederzeit ins Wanken bringen könnte. Spannungen zwischen den USA und Iran werden als möglicher Auslöser genannt, der die aktuelle Aufwärtsbewegung abrupt umkehren könnte.
Auch die für den heutigen Donnerstag erwarteten US-Erzeugerpreise und die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe dürften kurzfristig als Impulsgeber wirken – beide Daten fließen unmittelbar in die Einschätzung ein, wie die Fed im September tatsächlich entscheiden wird.
Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Die strukturelle Nachfrage von Notenbanken und institutionellen Investoren liefert ein solides Fundament, während kurzfristige Datenpunkte und geopolitische Nachrichten für Schwankungen sorgen dürften. Wer auf die fundamentale Story setzt, dürfte etwaige Rücksetzer eher als Kaufgelegenheit interpretieren als als Warnsignal.
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