Gold: Bernstein hebt Ziel auf 4.533 Dollar

Trotz Nahost-Eskalation fällt der Goldpreis weiter. Höhere Realrenditen und eine schwache Charttechnik belasten das Edelmetall.

Auf einen Blick:
  • Gold fällt trotz geopolitischer Spannungen
  • Kurs unter wichtigen Durchschnitten
  • Realrenditen steigen, Gold leidet
  • 4.000 Dollar als kritische Marke

Gold verliert ausgerechnet in der Nahost-Krise seinen Ruf als Krisenwährung. Die USA griffen Ziele im Iran an, die Waffenruhe ist beendet. Trotzdem rutscht der Preis weiter ab.

Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.118,80 US-Dollar. Das bedeutet ein Tagesminus von 0,33 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,64 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat Gold bereits 5,14 Prozent verloren.

Charttechnik zeigt deutliche Schwäche

Der Kurs notiert klar unter seinen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 4.365,31 US-Dollar. Das aktuelle Niveau unterschreitet ihn um 5,65 Prozent.

Noch deutlicher fällt der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt aus. Dieser verläuft bei 4.539,07 US-Dollar. Gold notiert damit 9,26 Prozent darunter.

Vom Rekordhoch bei 5.626,80 US-Dollar im Januar trennen den Goldpreis inzwischen 26,80 Prozent.

Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar aus dem Oktober beträgt der Abstand dagegen nur 5,58 Prozent.

Die Schwankungsbreite bleibt hoch, sie liegt aktuell bei 27,01 Prozent annualisiert. Der Relative-Stärke-Index steht bei 43,4 Punkten und signalisiert eine neutrale bis leicht bärische Stimmung. Als psychologische Unterstützung gilt weiterhin die Marke von 4.000 US-Dollar. Diese Marke hatte der Kurs bereits im Juni während einer heftigen Korrektur kurz getestet.

Geopolitik verliert an Wirkung

Ungewöhnlich für die aktuelle Marktlage: Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran bewegt den Goldpreis kaum. Trump erklärte die Waffenruhe nach Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus für beendet. Das US-Militär griff daraufhin Ziele im Iran an. Der Goldpreis blieb trotzdem unter Druck.

Anstatt als sicherer Hafen zu profitieren, reagiert Gold verstärkt auf die Entwicklung am Anleihenmarkt. Die Sorge vor einer energiegetriebenen Inflation durch steigende Ölpreise nährt Spekulationen über die Fed-Politik. Anleger erwarten, dass Notenbankchef Kevin Warsh einen strafferen Kurs einschlägt.

Die Realrenditen von US-Staatsanleihen kletterten zuletzt von 2,00 auf 2,28 Prozent. Höhere Realrenditen erhöhen die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall.

Analysten uneins über zweites Halbjahr

Für den weiteren Jahresverlauf zeigen sich einige Institute vorsichtig optimistisch. Die Analysten von Bernstein hoben ihr Kursziel für 2026 auf 4.533 US-Dollar an. Sie verweisen auf eine stabile physische Nachfrage und einen begrenzten Abgabedruck bei Gold-ETFs.

Anders sieht es im Einzelhandel aus. Dort macht die physische Nachfrage aktuell eine Sommerpause. Vor allem in Indien und China hat das hohe Preisniveau der vergangenen Monate den Schmuckkonsum gedämpft.

Experten rechnen erst ab dem Spätsommer mit einer saisonalen Belebung. Diese könnte den Boden für einen Ausbruch aus der aktuellen Seitwärtsspanne bereiten.

Kurzfristig bleibt die Marke von 4.000 US-Dollar der entscheidende Test. Hält der Goldpreis diese Unterstützung, könnte die von Bernstein erwartete Erholung Richtung 4.533 US-Dollar noch in diesem Jahr Fahrt aufnehmen. Bricht die Marke, dürfte sich der seit Januar laufende Abwärtstrend fortsetzen.

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