Der Goldpreis steckt zwischen zwei Kräften fest: geopolitischer Eskalation im Nahen Osten und wachsender Zinserhöhungswahrscheinlichkeit in den USA. Am Montag schloss das Edelmetall bei 4.452,18 US-Dollar je Feinunze, nahezu unverändert gegenüber dem Vortag. Die Frage, die Anleger derzeit umtreibt: Überwiegt der sichere Hafen oder der starke Dollar-Zins-Sog?
Krieg treibt Öl, nicht zwingend Gold
In der Nacht zum Montag griffen US-Streitkräfte iranische Minenleger in der Straße von Hormus an, Iran feuerte im Gegenzug Raketen auf US-Stützpunkte in Jordanien, die abgefangen wurden. Die Ölroute durch die Straße von Hormus liegt inzwischen nur noch bei rund 22 Prozent des Vorkriegsniveaus – umgerechnet etwa 5 Millionen Barrel täglich im Juli.
Die Eskalation trieb den Brent-Ölpreis kräftig nach oben und schürte Inflationssorgen. Normalerweise würde ein solches Kriegsrisiko Gold als sicheren Hafen beflügeln. Diesmal überlagert jedoch die Zinsdebatte diesen Effekt: Steigende Ölpreise nähren Inflationserwartungen, die wiederum die US-Notenbank in ihrer restriktiveren Haltung bestärken – und das belastet zinsloses Gold.
Uneinigkeit unter Analysten
Eine Kitco-Umfrage unter Marktprofis zeigt ein gespaltenes Bild: 48 Prozent der befragten Analysten erwarten für die kommende Woche steigende Goldpreise, 29 Prozent rechnen mit weiteren Verlusten, der Rest sieht eine Seitwärtsbewegung.
Unter Privatanlegern ist der Optimismus deutlich ausgeprägter, hier sehen knapp sechs von zehn Befragten steigende Notierungen. Marc Chandler von Bannockburn erwartet nach der Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole eine weitere Abschwächung in Richtung 4.360 bis 4.440 US-Dollar.
Auf der anderen Seite bleiben die langfristig bullischen Stimmen laut. Goldman Sachs hält an einem Kursziel von 4.900 US-Dollar bis Jahresende fest. Noch weiter geht Kevin Smith von Crescat Capital, der Gold auf lange Sicht bei 20.000 US-Dollar je Unze sieht – getragen von einer globalen Geldmengenausweitung mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund sieben Prozent sowie anhaltender fiskalischer Dominanz der Staaten.
Als strukturelle Stütze verweist er auf Notenbanken, die weltweit jährlich rund 1.000 Tonnen Gold kaufen – doppelt so viel wie im vergangenen Jahrzehnt.
Charttechnik zeigt Konsolidierung
Nach dem Rekordhoch von 5.598,58 US-Dollar Ende Januar hat Gold spürbar korrigiert und notiert aktuell rund 20 Prozent darunter. Der jüngste Rücksetzer der vergangenen Woche von 4,4 Prozent fällt jedoch in eine Phase, in der das Metall über die vergangenen 30 Tage noch immer ein Plus von 10 Prozent aufweist – die kurzfristige Schwäche relativiert sich also im etwas breiteren Bild.
Diese Gemengelage aus Gewinnmitnahmen nach starkem Lauf und neuer Unsicherheit über den Fed-Kurs dürfte die Volatilität in den kommenden Handelstagen hochhalten.
Blick auf den Arbeitsmarkt
Richtungsweisend dürfte der US-Arbeitsmarktbericht am 4. September werden. Die Markterwartung für eine Fed-Zinserhöhung im September pendelte zuletzt zwischen 57 und 66 Prozent, je nach Umfrage und Zeitpunkt.
Nicht alle Beobachter teilen diese Einschätzung: George Goncalves von MUFG sieht trotz der hawkischen Töne aus Jackson Hole keine Eile der Notenbank und verweist stattdessen auf die anstehenden Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten als eigentlich entscheidende Signale. Bis zur Fed-Sitzung dürfte der Goldpreis damit im Spannungsfeld zwischen Kriegsrisiko und Zinserwartung verharren.
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