Die US-Notenbank hat die Erwartungen an eine baldige Zinswende gedämpft – und dennoch bleibt der Goldpreis in seiner Handelsspanne stabil. Zwischen einer zunehmend gespaltenen Fed, neu aufgeflammten Spannungen im Nahen Osten und einem Rekord bei den Zentralbankkäufen zeichnet sich derzeit ein Markt ab, der auf mehreren Ebenen zugleich getestet wird.
Fed hält Kurs, doch der Dissens wächst
Die Federal Reserve ließ ihren Leitzins am Donnerstag den siebten Monat in Folge unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Bemerkenswert war das Abstimmungsergebnis: Mit 9 zu 3 Stimmen gab es die erste Drei-Personen-Abweichung seit 2016. Die Notenbanker Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan plädierten für eine Anhebung um einen Viertelpunkt. Fed-Chef Kevin Warsh betonte, die Inflationsbekämpfung bleibe oberste Priorität und eine Zinserhöhung sei „keine Standardoption“, räumte aber ein, dass nominale wie reale Renditen zuletzt „zu den größten Anstiegen seit zwei Jahrzehnten“ gehörten. Der Terminmarkt CME FedWatch beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der nächsten Sitzung am 15. und 16. September zuletzt auf rund 59 Prozent.
Parallel dazu kletterte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf ein 19-Jahres-Hoch von fast 5,23 Prozent. Der Ökonom Ed Yardeni warnte, die Fed müsse die kurzfristigen Zinsen anheben, um die langfristigen Renditen wieder zu drücken – andernfalls drohe ein Glaubwürdigkeitsproblem. Diese Gemengelage aus schwächerem Wachstum, hartnäckiger Inflation und wachsendem Fed-internem Streit hält Gold als Absicherung interessant, obwohl steigende Anleiherenditen dem Edelmetall normalerweise entgegenwirken.
Am Devisenmarkt zeigte sich das Ergebnis gemischt: Der US-Dollar gab nach der Fed-Entscheidung nach, was Gold stützte. Zum Handelsschluss am Donnerstag notierte Gold bei 4.168,70 US-Dollar, ein Plus von 1,03 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 2,79 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, dass die Nervosität rund um die Notenbank dem Metall zuletzt eher genutzt als geschadet hat.
Nahost-Konflikt hält Risikoprämie am Leben
Zusätzlichen Auftrieb erhielt Gold durch die Eskalation zwischen den USA und Iran. Präsident Trump erklärte, eine Vereinbarung mit Iran sei „vorbei“, und drohte mit weiteren Angriffen. Das US-Kommando CENTCOM bestätigte massive Luftschläge auf Dutzende militärische Ziele im Süden Irans – nach eigenen Angaben doppelt so umfangreich wie ein vorheriger Angriff. Die Ölpreise reagierten mit deutlichen Ausschlägen, während die geopolitische Unsicherheit den sicheren Hafen Gold zeitweise beflügelte, auch wenn einzelne Handelstage von Gewinnmitnahmen geprägt waren.
Zentralbanken kaufen so viel wie nie
Unabhängig von der kurzfristigen Marktbewegung liefert der World Gold Council einen strukturellen Grund für die Goldnachfrage: Im zweiten Quartal 2026 kauften Zentralbanken weltweit 289 Tonnen Gold – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und das Fünffache der (nachträglich von 244 auf 57 Tonnen nach unten korrigierten) Käufe aus dem ersten Quartal. Die Revision geht auf Verkäufe der Türkei, Russlands und Aserbaidschans zurück. Polen stockte seine Reserven um 51 Tonnen auf, China um 33 Tonnen. Andrew Naylor vom World Gold Council erklärte, die Zentralbanknachfrage stütze den Goldpreis trotz des Drucks durch hohe Zinsen.
Die Gesamtnachfrage nach Gold blieb im zweiten Quartal mit 1.269 Tonnen nahezu unverändert, für das erste Halbjahr ergibt sich mit 2.522 Tonnen ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, bei einem Rekordwert von 380 Milliarden US-Dollar. Während Gold-ETFs 45 Tonnen an Abflüssen verzeichneten und die Schmucknachfrage um 17 Prozent auf 278 Tonnen sank, kompensierten die Zentralbanken einen Großteil der Schwäche. Laut einer Umfrage des World Gold Council erwarten 89 Prozent der befragten Institutionen einen weiteren Anstieg der globalen Reserven, 45 Prozent planen, ihre eigenen Bestände aufzustocken.
Charttechnik bleibt neutral
Trotz der jüngsten Erholung liegt Gold weiterhin 25,91 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar vom 29. Januar. Der Relative-Stärke-Index von 53,8 signalisiert einen ausgeglichenen Markt ohne klare Richtungsvorgabe. Für Anleger bleibt damit ein Spannungsfeld bestehen: Eine hawkishe Fed und steigende Anleiherenditen wirken bremsend, während geopolitische Risiken und die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken dem Goldpreis einen Boden geben.
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